11.11.2019 08:00 |

Gelände wurde zu Falle

Lawinendrama: Problematik war vorhergesagt!

Das Altschneeproblem, auf das der Tiroler Lawinenwarndienst bereits am Mittwoch in seinem Blog hingewiesen hat, ist den beiden Holländern, die am Samstag in der Lawine am Rettenbachferner ums Leben kamen, zum Verhängnis geworden. Das ergab die genaue Untersuchung an der Unfallstelle am Sonntag.

Patrick Nairz vom Lawinenwarndienst nahm den durchschnittlich 50 Zentimeter hohen Anriss in dem rund 40 Grad steilen Unglückshang unter die Lupe. „Nach Regen im Oktober und späteren Schneefällen entstand - durch Windeinwirkung - eine härtere Kruste, unter der sich dann die verhängnisvolle Schwachschicht bildete“, informiert der Experte nach dem Lokalaugenschein. Der Anriss maß beachtliche 100 Meter in der Breite, die Lawine war 300 Meter lang.

Regelrecht in Geländefalle mitgerissen
Das Schneebrett erfasste zwei Wintersportler, ein dritter Holländer konnte sich festhalten und entging so wohl dem Tod. Die Männer wurden durch eine Rinne in eine regelrechte Falle mitgerissen: Vor einer Eiswulst befand sich eine Kluft, in der die Holländer liegen blieben. Dort donnerten die Schneemassen auf sie und begruben sie drei Meter tief.

Kein Entspannung in Sicht
„An der allgemeinen Gefahrensituation hat sich inzwischen nichts geändert“, warnte Nairz am Sonntag. „In Höhen über 3000 Meter kann in schattseitigen, sehr steilen Hängen schon geringe Belastung ein Schneebrett auslösen.“ Eine Entspannung ist nicht in Sicht: Für Dienstag und Mittwoch wird mit rund einem halben Meter Neuschnee auf den Bergen gerechnet. „Wir informieren über die aktuelle Lawinenlage weiter im Blog auf unserer Homepage“, so Nairz.

Der erste tödliche Lawinenabgang ereignete sich extrem früh in diesem Jahr. 2018 hatte es das erste Todesopfer am 13. Dezember in Tux (Zillertal) in Tirol gegeben.

Fahrten außerhalb des gesicherten Geländes wurden am Samstag zwei weiteren Personen am Hintertuxer bzw. Pitztaler Gletscher zum Verhängnis, wenngleich die Folgen weniger dramatisch ausgefallen sind.

Chinesen „verloren“
In Hintertux hat am späten Sonntagnachmittag zudem eine vierköpfige Gruppe einen chinesischen Snowboarder (29) im freien Skiraum regelrecht „verloren“. Als die Gruppe auf die Piste zurückkehrte, wurde das Fehlen des 29-Jährigen bemerkt. Eine Suchaktion am frühen Abend durch die Pistenrettung und Bergrettung Hintertux samt Notarzt brachte raschen Erfolg. Der Chinese war zwischen Tuxer Fernerhaus und der Bergstation der 10er-Gondel über steiles Gelände abgestürzt und schwer verletzt worden. Die Einsatzkräfte brachten den Mann nach Hintertux, von wo ihn der Notarzthubschrauber in die Klinik flog.

Nicht mehr auf die gesicherte Piste zurück traute sich eine Snowboarderin (31) aus Polen im Bereich des Hinteren Brunnenkogels am Pitztaler Gletscher: Sie hatte bereits ein kleines Schneebrett ausgelöst. Der Polizeihubschrauber musste sie mit dem Tau aus dem 40 Grad steilen Gelände bergen und auf der Piste absetzen.

Peter Freiberger
Peter Freiberger
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