10.11.2019 10:05 |

„Ich mach‘s gerne“

Kauffrau mit 22: Steirerin setzt auf Regionales

Während ein Nahversorger nach dem anderen zusperrt, fängt Anna Tuller mit ihrer Arbeit gerade erst an. In die Regale kommen der jungen Frau nur regionale Produkte, die zuvor vom Kunden abgenickt wurden. Ein Besuch in Frohnleiten.

Zwischen Gewürzen aus einer Manufaktur im obersteirischen Kindberg, Bauernstreichwurst von Gnaser Wollschweinen, preisgekröntem Stollenkäse aus dem Almenland und Schokolade aus Graz, die den vielversprechenden Namen „Genussstück“ trägt, lässt es sich gut arbeiten. Und noch besser einkaufen: „Bei uns ist der Kunde wirklich noch König“, lacht Mario Tuller, der in sechster Generation Nahversorger in St. Katharein/Laming, Tragöß und Frohnleiten führt.

Beinahe jeden Käufer kennt der 48-Jährige beim Namen, man erkundigt sich nach dem Befinden, Wünsche lässt man so gut es geht keine offen: „Gestern hat eine ältere Dame nach einer Zitronenpresse gesucht, so etwas führen wir aber nicht. Daraufhin habe ich mich auf die Suche gemacht und heute kann ich die Kundschaft schon damit überraschen“, freut sich der gebürtige St. Kathareiner.

Kaufhaus-Tradition lebt in 7. Generation weiter
Das gute Service und das feine Gespür für die Begehrlichkeiten der Konsumenten hebt die Tullers vermutlich von anderen Nahversorgern ab: „Ohne Mehrwert für den Kunden geht’s nicht mehr, dafür ist die Konkurrenz zu mächtig. Nicht umsonst haben in den letzten 20 Jahren zwei Drittel meiner Kollegen aufgehört“, meint der Obersteirer. „Ich sag’ immer: Nicht der Große frisst den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen.“

Noch mehr Fahrt nimmt das steirische Traditionsunternehmen nun wohl durch den Einstieg von Tochter Anna auf. Über einen Umweg über die Uni tritt die Bildungs- und Erziehungswissenschaftlerin nun doch noch in die Fußstapfen ihres Vaters: „Ich mach’s einfach zu gerne“, sagt die 22-Jährige.

Verkostet, bevor es ins Regal kommt
Wobei sie sich schon die Rosine im Familienbetrieb herauspicken durfte: „Direkt neben unserem Geschäft am Hauptplatz in Frohnleiten wurde vor knapp zwei Jahren das ,Genussplatztl’ eröffnet. Hier wird auf Regionalität und Qualität besonders viel Wert gelegt“, erzählt Anna.

Mittlerweile listet man hier bereits mehr als 60 Produzenten aus der Umgebung: „Bevor bei uns etwas ins Regal kommt, wird es zuerst einmal von uns eingehend verkostet, danach auch noch von den Kunden. Erst dann nehmen wir das Lebensmittel in unser Sortiment auf“, so die junge Frau.

Lieber verschenken statt achtlos wegwerfen
Die Philosophie der Tullers ist übrigens in allen Läden spürbar: „Ich verwehre mich gegen das Wegschmeißen von Lebensmittel, die noch genießbar sind“, betont der Seniorchef. So werden braune Bananen als Gratis-Ware geboten („sind sofort weg“), abgelaufene Joghurts an die Angestellten verschenkt oder etwa verwelkter Salat an Tierhalter der Umgebung weitergegeben.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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