04.11.2019 09:32 |

Nur Verlierer

Ein 380-kV-Debakel für das Land Salzburg

Der Bau der 380-kV-Leitung hat begonnen, Enteignungen stehen bevor und das Image von Strom-Lobby und Landespolitik sind schwer beschädigt. Bürger und Opposition haben sich auf Landeshauptmann Wilfried Haslauer eingeschossen. Der Vorwurf: Mehr die Interessen des Konzerns als jene der Bevölkerung zu vertreten.

Die 380-kV-Freileitung in Salzburg kennt nur Verlierer: Ein Stromgigant mit großem Imageschaden. Bürger und Lokalpolitiker, die unermüdlich aber scheinbar erfolglos für eine Teilverkabelung gekämpft haben und Landespolitiker, die im Verdacht stehen, für Konzerne und nicht für ihre Wählerschaft einzutreten – und dann noch den Gemeinden mit Konsequenzen drohen, würden sie Ausgleichszahlungen nicht annehmen.
Letzteres wird sogar von den Grünen, immerhin Regierungspartner von Landes-Chef Haslauer (ÖVP) kritisiert. Von der roten und blauen Opposition sowieso.
Aber wie kam es? Eigentlich müsste doch die Bevölkerung in Zeiten des steigenden Stromverbrauchs durch Computer, Handys, E-Autos, E-Bikes usw. für eine versorgungsstarke und ausfallsichere Leitung sein.

Nur nicht für eine durchgehende Freileitung, sondern in sensiblen Bereichen für ein Erdkabel. Das wird von der Aktiengesellschaft APG, Projektbetreiber der 380er-Leitung, wegen der höheren Baukosten abgelehnt. Zwar ist anderorts die Verkabelung Stand der Technik, aber nicht in Österreich. Bei uns ticken die Energie-Uhren scheinbar noch anders... …
Ist man da beim Bau von Autobahnen und Straßen da schon weiter? Es wird anscheinend genauer abgewogen. Wie wirkt sich eine neue Straße auf die Umgebung aus? Wie stehen die Kosten im Verhältnis zum Nutzen? Wie ist das Verhältnis vom allgemeinen Nutzen gegenüber dem Nachteil Einzelner? So entstanden in den vergangenen Jahren viele Unterflurtrassen, Einhausungen und Tunnel, die mit Sicherheit nicht die günstigeren Lösungen waren. Aber man konnte der Bevölkerung vermitteln, dass nicht komplett gegen ihren Willen für ein „höheres Ziel“ gebaut wurde.

Großprojekte bedeuten automatisch Widerstand
Großprojekte sind – logisch, weil viele davon betroffen sind – seit jeher mit Widerstand verbunden. Nicht umsonst gab es im 19. Jahrhundert ein scharfes Eisenbahngesetz, das den Bau neuer Trassen nahezu problemlos gegen den Willen der Grundeigentümer ermöglichte. „Da fährt die Eisenbahn drüber“, nicht nur eine Redensart.
Ein Image, das sich die ÖBB heute nicht mehr leisten können. Ein gigantisches Projekt beschäftigt die Salzburger: Der zwei Milliarden Euro teure Flachgautunnel. Er ist für die Bevölkerung wichtig, da er nach der Fertigstellung die bestehende Strecke deutlich entlastet und der Regionalverkehr neue Kapazitäten bekommt.
Eigentlich eine Win-Win-Situation, würden nicht tausende Bürger von der jahrelangen Baustelle betroffen sein. Diese kämpfen mit ihren Gemeindepolitikern unermüdlich für Verbesserungen.
Der Erfolg? Überschaubar. Zumindest wurde eine überirdische Trasse verhindert. Diese wäre günstiger, hätte aber zu wesentlich mehr Einschnitten für Bürger und Natur geführt.

Felix Roittner

 krone.at
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