04.11.2019 10:10 |

Interview

Er hält’s mit Hamlet:„Bereit sein ist alles“

Paradeschauspieler und Langzeit-Jedermann Peter Simonischek über die Liebe, die Nachfolge von Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, und warum ihn die neue Buhlschaft an Tobias Morettis Seite im nächsten Sommer so ganz und gar nicht interessiert. Ein Gespräch.

Herr Simonischek, mit Salzburg verbindet Sie eine lange Geschichte. Bereits 1982 hatten Sie bei den Festspielen in Goethes „Torquato Tasso“ ihren ersten Auftritt. Es folgten zahlreiche, zuletzt 2016 als Prospero in Shakespeares „Sturm“. Unvergessen Ihr Jedermann (2002 bis 2009) – Sie gelten als der längstdienende mit 91 Vorstellung.

„Mit den ausverkauften Generalproben waren es sogar 100. Es war eine schöne, aber auch sehr anstrengende Zeit – so eine Rolle schüttelt man nicht einfach aus dem Ärmel. Ein lavieren zwischen Freude, Spaß und harter Arbeit – wie es halt so ist bei der Schauspielerei. Aber ich denk’ gern daran zurück.

Sie haben sicher schon gehört, dass dem aktuellen Jedermann Tobias Moretti nach Stefanie Reinsperger und Valery Tscheplanowa nächsten Sommer schon wieder eine neue Buhlschaft zur Seite steht. Eine Ahnung wer sie sein könnte?

Das interessiert mich ungefähr so sehr, wie wenn ein Radl in China umfällt. Ich hab’ mit dem Jedermann abgeschlossen, und nach meiner Ära auch keinen mehr gesehen. Wichtig ist bei der Neuen vielleicht nur, dass sie nicht zu groß ist.

2020 feiern die Festspiele 100-jähriges Jubiläum. Wird es ein Wiedersehen mit Ihnen auf der Bühne geben?

Als Jedermann sicher nicht (lacht). Aber ich denke, dass das Festspiel-Direktorium so viele Jedermann-Darsteller wie möglich zum Jubiläum zusammen fangen wird. Ich bin gespannt, wer aller auftaucht. Ich komme gerne, weil ich weiß, wie sehr mich das Publikum geschätzt hat.

Ein Jahrhundert-Jedermann – hat man noch nie überlegt Ihnen die Salzburger Ehrenbürgerschaft zu verleihen?

Nein, aber zu meinem 70er bekam ich die Ehrennadel der Salzburger Festspiele, weil ich mit rund 400 Vorstellungen so oft auf der Bühne stand, wie kein anderer Schauspieler.

Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler legt ihr Amt nach dem Jubiläumsjahr nieder. Wen könnten Sie sich für ihre Nachfolge vorstellen bzw. würden Sie sich wünschen, dass Sie weitermacht?

Sie hat es sich bestimmt sehr gut überlegt aufzuhören. Und ich kann sie gut verstehen, so ein Job ist irrsinnig anstrengend. Was die Nachfolge betrifft, denke ich, es sollte jemand aus der Region, aus der Stadt, ein Einheimischer sein.

Sie stehen immer wieder mit ihrer Frau Brigitte Karner auf der Bühne. Manche Paare vermeiden es tunlichst gemeinsam zu arbeiten. Was ist Euer Geheimnis?

Man muss Berufliches und Privates trennen. Wir sind Profis und arbeiten, wie mit jedem anderen Kollegen, nur mit dem Unterschied, dass wir uns das Hotelzimmer am Auftrittsort teilen (lacht). Eigentlich ist es ganz einfach: Man muss seinem Partner dort das Vorrecht zugestehen, wo er besser ist als der Andere.

Bei Eurem Auftritt unlängst in der Oberbank stand Daniel Glattauers „Gut gegen Nordwind“ am Programm. Eine Liebesbeziehung via E-Mail. Wie machen Sie ihrer Frau eine Liebeserklärung?

Wenn man älter wird, bestehen die Liebesbekenntnisse nicht mehr aus den selben Ingredienzien wie mit 20. Aber ich bin sowieso der Meinung, dass die Liebe erst eine Chance hat, wenn die Verliebtheit Platz macht.

Schon ein seltsames Spiel mit dieser Liebe.

Ja. Bei den Einen muss es brodeln und kochen um zu heiraten, bei Anderen, oder früher war die Liebe nicht unbedingt vorrangig.

Sie sind seit 1999 am Burgtheater Ensemblemitglied und seit letzten Sommer Ehrenmitglied. Der neue Direktor Martin Kušej ist Ihnen von Salzburg vertraut. Er war von 2004 bis 2006 Schauspielchef der Festspiele.

Er hat damals die Wiederaufnahme-Proben von Christian Stückls Jedermann geleitet, zusammengearbeitet haben wir aber abgesehen davon noch nie.

Aktuell sind Sie an der Burg in Anne Lenks „The Party“ zu sehen. Eine relativ junge Regisseurin. Wie geht’s Ihnen damit, zudem Sie mit Größen wie Stein oder Zadek gearbeitet haben?

Ich bin sehr interessiert daran mit Jungen zu arbeiten, aber natürlich kommt man nicht daran vorbei, sie mit den „Alten“ zu messen. Da muss man sich schon aufeinander zubewegen, sonst klappt das nicht.

Was würden Sie jungen Schauspielern raten?

Es kann ein sehr schöner Beruf sein, wenn man ihn liebt – das ist die Voraussetzung. Man muss die Menschen lieben, neugierig und risikofreudig sein.

Ihr ältester Sohn Max ist ebenfalls Schauspieler. Mit ihm sind Sie im Jedermann 2003 sogar gemeinsam auf der Bühne gestanden. Gibt es Pläne für eine erneute Zusammenarbeit?

Keine Konkreten, aber wir sind beide nicht abgeneigt.

Haben auch Ihre anderen beiden Jungs Ambitionen.

Kaspar studiert an der Bruckner Uni Schauspiel, und Benedikt hat ein Wirtschafts- und Kulturmanagement-Studium abgeschlossen, er tendiert Richtung Regie bzw. Theaterleitung.

Ihre Karriere war nicht vorprogrammiert. Ihr Vater wollte, dass Sie Zahnarzt werden. Nichtsdestotrotz sind Sie bereits im Internat im Lavanttal auf der Bühne gestanden.

Damals gab’s wenig Freizeitbetätigungen. Und nachdem ich im Fußball nicht der Beste war, hab ich Theater gespielt. Eine aufregende, spannende Zeit – wir haben Stücke einstudiert und das Bühnenbild selbst gebastelt.

Heute noch Fußballfan?

Wenn es um eine Deutsche Mannschaft geht, bin ich Borussia Dortmund-Fan. Bei den Österreichern war ich immer Austrianer, aber nachdem sie uns momentan mehr Schmerzen als Freude bereitet, fiebere ich mit Wolfsberg mit.

Sie wurden als Schauspieler, egal ob Theater oder Film, schon zigfach ausgezeichnet. Was fehlt noch, gibt es eine Wunschrolle?

Früher war’s einfach, da hätte man gesagt, ich will unbedingt den Hamlet, Lear oder Prospero spielen. Heute sind diese Stücke in der ursprünglichen Version mit all ihren Dimensionen nicht mehr gefragt. Man bekommt nur noch Bruchstücke dessen zu sehen, was die Genialität eines Klassikers ausmacht. Deshalb ist es schwer zu sagen, was man spielen möchte.

Einer meiner Leitsprüche war immer: „Bereit sein ist alles“ – ein Satz aus Hamlet. Weil eine Rolle wie z.B. Toni Erdmann kann man sich nicht aussuchen. Neben Talent, Fleiß und harter Arbeit, gehört in diesem Beruf auch eine Portion Glück dazu.

Tina Laske
Tina Laske
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