16.10.2019 09:00 |

Tiroler „Ziegelstadl“

Koscheres Essen für zwei Insassen kommt aus Wien

507 Häftlinge saßen mit Stichtag 4. Juli 2019 in der Justizanstalt Innsbruck ein. Der Ausländeranteil lag dabei über 50 Prozent. Diverse Kulturen und Ernährungsarten treffen prinzipiell im Gefängnis aufeinander, was für die Anstaltsküche herausfordernd ist. Für zwei jüdische Insassen wird das koschere Essen derzeit wöchentlich von Wien nach Innsbruck chauffiert.

Normalkost ist das eine, laktosefreie, fettlose, vegetarische sowie fischlose Kost das andere. Und dann gibt es noch rituelle bzw. religiöse Ernährungsarten. Eine wahrhaftige Herausforderung für die Köche innerhalb des „Ziegelstadls“, denn immerhin müssen sie auf die verschiedenen Essensgewohnheiten der Inhaftierten eingehen.

„Mehrere Hundert Euro sind notwendig“
Dass sie dabei durchaus an ihre Grenzen stoßen, zeigt ein aktueller Fall. Laut „Krone“-Insider soll derzeit für zwei jüdische Insassen das koschere Essen, das den jüdischen Ernährungsvorschriften entspricht, von Wien in die Anstalt nach Innsbruck transportiert werden - und zwar wöchentlich. „Für Transport und Gerichte sind mehrere Hundert Euro pro Woche notwendig“, wie der „Krone“-Insider berichtet.

Doch wenn innerhalb der Anstalt kein koscheres Essen gekocht werden kann, warum lässt man sich das Essen nicht aus der Umgebung liefern? Weil es keine adäquaten Anbieter gibt?

„Rücksichtnahme auf Glaubensbekenntnis“
„Die Justizanstalten haben für die Verpflegung der Strafgefangenen zu sorgen, wobei nach § 38 Abs 2 StVG auf das Glaubensbekenntnis der Strafgefangenen entsprechend Rücksicht zu nehmen ist. Ist die rituelle Verköstigung mit den Mitteln, die der Justizanstalt zur Verfügung stehen, nicht möglich, so haben die Strafgefangenen das subjektiv-öffentliche Recht, sich Anstaltskost von dritter Seite zur Verfügung stellen zu lassen“, erklärt Julia Rieder von der Stabstelle für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit des zuständigen Justizministeriums.

Koscheres Fertiggericht von Cateringanbieter
Im konkreten Fall habe der Leiter der Anstaltsküche - auch unter Einschaltung der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) - vergeblich versucht, in örtlicher Nähe eine Versorgung in Innsbruck zu organisieren. „Insoweit werden die betroffenen Insassen mit koscheren Fertiggerichten eines von der IKG zertifizierten Caterers versorgt, die in der Justizanstalt aufgewärmt werden“, schildert Rieder.

Die Kosten sowohl für die Speisen als auch für den Transport trage der Strafvollzug. Externe Anbieter streng ritueller Kost werden darauf hingewiesen, dass die Speisen im Sinne des Strafvollzugsgesetzes einfach, aber ausreichend und nahrhaft zu sein haben. „Ich bitte um Verständnis, dass die genauen Kosten nicht bekannt gegeben werden können“, sagt Rieder abschließend.

Jasmin Steiner
Jasmin Steiner
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