08.10.2019 14:11 |

Entwurf steht fest

Grazer Brücke wird abgerissen - Neubau auf Schiene

Graz bekommt eine neue Brücke im Herzen der Altstadt: Die Tegetthoffbrücke muss wegen des geplanten Straßenbahnverkehrs durch die Neutorgasse neu gebaut werden. Den Architekturwettbewerb hat ein Entwurf aus Wien gewonnen: Er beinhaltet großzügige Fußgängerbereiche inklusive Stufen nach unten zur Mur. Gleichzeitig soll die Brücke mit nur sanftem Spektakel der Altstadt nicht die Show stehlen.

„Es ist ein Eingriff in das Grazer Stadtbild mit großer Bedeutung“, fasste es Bürgermeister Siegfried Nagl (ÖVP) zusammen. Die Gestaltung des neuen Bauwerks soll daher ein weiterer Brückenschlag zwischen Osten und Westen der Stadt sein. Historisch betrachtet ist die Stadt durch die Mur zweigeteilt. Früher hieß es, der „gebildete Osten und der arme Westen“.

Kein Grazer Ghetto
Für Nagl die ist Brücke ein weiteres Mosaikstück - neben Bad zur Sonne, Mediathek, Fachhochschule Joanneum, Auster und Reininghaus, die alle in den vergangenen Jahrzehnten gezielt im Westteil angesiedelt wurden. Sie alle sollen eine „Ghettoisierung“ vermeiden und den historisch gewachsenen Nachteil des Westens ausgleichen. Somit spiele die neue Tegetthoffbrücke eine große Rolle: „Sie soll die Modernität der Stadt unterstreichen und den Murraum erlebbar machen“, so der Bürgermeister.

Aussichtsplattform geplant
Wettbewerbssieger ist das Wiener Architektenbüro um Wolfgang Tschapeller. Er beschrieb den Entwurf als eine „Verbindung verschiedener Atmosphären der Stadt“. Gemeint ist damit nicht nur die Verbindung zwischen Osten und Westen, sondern auch von oben und unten. Unterhalb der Stadtebene sei mit der Mur und ihrer Promenade der Naturraum zu finden. Die Brücke soll die beiden Ebenen verbinden. Daher wurden an beiden Seiten der Brücke großzügige barrierefreie Rampen sowie Sitzstufen eingearbeitet - eine Art Aussichtsplattform. Sie ermöglichen den Zugang von der Brücke zur Murpromenade und laden zum Verweilen ein.

„Masten der Tegetthoff“
Herzstück der Verbundbrücke ist das Tragwerk, das ein Hingucker werden soll und fast wichtiger als die Oberseite sein werde. Diese wird wiederum durch markante Pfeiler auffallen: Die „Masten der Tegetthoff“, nannte sie Tschapeller in Anlehnung an das namensgebende Schiff. Sie werden sowohl die Oberleitungen der Straßenbahn als auch die Beleuchtung tragen.

Hoffnung für Andeas-Hofer-Platz
Auffallend ist auch, dass durch die seitlichen Fußgängerwege und Stufen das Geländer an der Brücke zu fehlen scheint. Für Bürgermeister Nagl ergebe sich dadurch ein schwebendes Gefühl. Die Brücke soll auch Anstoß für die Entwicklung des heute noch eher unansehnlichen Andreas-Hofer-Platzes sein, der direkt anschließt. Konkrete Pläne für den Platz habe man derzeit aber nicht, da die Eigentümerstruktur kompliziert sei, die die Stadtplaner.

Bis zu 70 Straßenbahnen pro Stunde
Auf der neuen Tegetthoffbrücke sollen künftig rund 18 Straßenbahnzüge pro Stunde verkehren und damit die Herrengasse, durch die momentan alle Grazer Linien fahren müssen, entlasten. Eine Taktverdichtung sei möglich. Sollte die Herrengasse wegen Veranstaltungen oder Demonstrationen für die Tramlinien gesperrt sein, können fast alle Garnituren durch die Neutorgasse und die neue Brücke weiter durch die Belgiergasse bis zur Annenstraße geführt und umgeleitet werden. Dann würden sogar um die 70 Züge pro Stunde möglich sein, schilderte Nagl.

Die Kosten für die Innenstadtentflechtung inklusive neuer Brücke belaufen sich auf rund 27 Millionen Euro. Detailplanungen stehen allerdings noch aus. Ein Drittel wird vom Land Steiermark finanziert.

Umleitung wird Herausforderung
Ungelöst ist derweil noch das Problem der Übergangszeit: Eineinhalb bis zwei Jahre lang wird durch Abriss und Neubau keine Brücke an der zentralen Stelle der Stadt sein. Die Umleitung des kompletten innerstädtischen Verkehrs dürfte eine Herausforderung werden. Eine Ersatzbrücke gilt als eher unwahrscheinlich, meinte Nagl am Dienstag. Baustart ist für Herbst 2021 und die Eröffnung im Winter 2023/2024 geplant.

Derzeit sind in Graz zehn Brücken - inklusive Eisenbahnbrücke und exklusive Fußgängerbrücken - zu finden. Zwei davon fallen optisch auf: Die historische Weinzöttlbrücke und die beleuchtete Brücke am Kalvariengürtel. Jene in der Innenstadt dagegen sind eher unscheinbar. Durch den Altstadtschutz ist der Bau einer neuen Brücke sensibel geworden, sagte Stadtplanungsvorstand Bernhard Inninger. Gerade deshalb soll die neue Brücke nicht zu spektakulär sein. Der Entwurf der Wiener schaffe diese Gratwanderung, so Inninger.

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