22.07.2019 06:03 |

Hofer bei Katia Wagner

„Ziel ist, dass sich Schwarz-Grün nicht ausgeht“

Auftakt zu den krone.at-„Sommergesprächen“: Als erster Parteivorsitzender traf sich FPÖ-Chef Norbert Hofer mit Katia Wagner im Tower des Wiener Flughafens zum ausführlichen Interview über die kommende Nationalratswahl, die möglichen Koalitionen nach dem Urnengang und was man in der Partei aus der Ibiza-Affäre gelernt hat. In dem Gespräch warnt der begeisterte Pilot vor einer möglichen Koalition des ehemaligen Regierungspartners ÖVP mit den Grünen („eine Politik der offenen Grenzen und Belastungen für Pendler“), bekräftigt den Wunsch, die eigene Koalition fortsetzen zu wollen, und kündigt an, bei den Ortsgruppen künftig „besser zu schauen, wer da zu uns zur Partei kommt“. Das ganze Interview sehen Sie im Video oben.

Er habe nie geplant, Parteichef zu werden, so Hofer, der die Partei nach dem Rücktritt von Heinz-Christian Strache, der über die Ibiza-Affäre gestolpert war, übernommen hat. Doch als solcher hoffe er jetzt, dass die FPÖ bei der kommenden Nationalratswahl so gut abschneide, „dass sich Schwarz-Grün nicht ausgeht“. Denn diese Konstellation sei „eine Politik der offenen Grenzen und der Belastungen für Pendler - und das will ich nicht“, stellte Hofer klar. Für Österreich sei jedenfalls Türkis-Blau „die beste Variante“.

„Wir schauen auf Österreich, wenn wir regieren“
Die FPÖ habe unter Beweis gestellt, dass sie regierungsfähig sei. „Die letzte Regierung war sehr, sehr beliebt“, es habe „nur einen Fall gegeben“, weshalb die Koalition scheiterte: die Ibiza-Affäre, aus der man „viel gelernt“ habe. „Letztendlich“ sei das aber gar nicht der Grund für das Aus gewesen, sondern die Entfernung von Herbert Kickl als Innenminister. „Wir sind regierungsfähig. Wir schauen auf Österreich, wenn wir regieren, und wir würden das gerne fortsetzen - aber nicht um jeden Preis“, betonte Hofer. „Knackpunkt“ der Koalitionsverhandlungen sei aber die direkte Demokratie, die man nach Schweizer Vorbild ausbauen wolle, nicht das Personelle.

„Werden besser schauen, wer die Leute sind, die in die Partei kommen“
Was er in der Partei anders machen werde als sein Vorgänger? Es sei ihm wichtig, „die Organisationskraft der Partei erhöhen“, so Hofer. Es solle mehr Ortsgruppen geben - aber es solle besser geschaut werden, „wer sind die Leute, die zu uns zur Partei kommen“, so Hofer - wohl an die zahlreichen „Einzelfälle“ wie das Braunauer „Rattengedicht“ denkend, die der FPÖ im ersten Halbjahr das Leben schwergemacht hatten. „Es gibt Dinge, die ich nicht akzeptiere“, sagte Hofer und nannte da vor allem antisemitische Äußerungen. „Da fliegt jemand - und zwar sofort.“

Tempo 140: „Beim dekarbonisierten Verkehr spielt Geschwindigkeit keine Rolle“
Ganz anders machen will die Partei ihre Arbeit beim Thema Klimaschutz - Stichwort Dekarbonisierung, also eine Abkehr der Energiewirtschaft von der Nutzung kohlenstoffhaltiger Energieträger. Zudem wünscht sich Hofer einen starken öffentlichen Verkehr. Die FPÖ sei nicht „klimakritisch“ gewesen, so Hofer, der frühere Parteichef sei es gewesen. Das Thema 140 sei da kein Widerspruch: „Beim dekarbonisierten Verkehr spielt Geschwindigkeit keine Rolle.“ Ziel sei auch, den Luftverkehr umzustellen.

„Der Islam ist eine völlig andere Kultur“
Natürlich waren auch Migration und Islam Themen des Gesprächs. „Es gibt einen Wandel in der Bevölkerung, das sieht jeder, der mit offenen Augen durchs Land geht“, so Hofer. Es sei für ihn klar, dass der Islam nicht zu Österreich gehöre: „Das ist eine völlig andere Kultur. Ich hoffe nur, dass die Integration gelingt, aber sie ist schwierig zu handhaben, weil sich ein Teil radikalisiert.“ Muslime an sich seien durchaus ein Teil des Landes, er „kenne auch viele, die fleißig sind“, doch „ein Teil unserer Geschichte und Kultur kann der Islam nicht werden, das ist nicht die Zukunft, die ich mir vorstelle“.

Heike Reinthaller-Rindler
Heike Reinthaller-Rindler

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