"Krone"-Reportage

Ein Knittelfelder in den eisigen Tiefen der Antarktis

Steiermark
18.04.2010 23:16
Es ist wie bei einem Berg-Besessenen, der fast alles erlebt und bewältigt hat, sein Adrenalin für das ultimative Abenteuer aber noch einmal zum Brodeln bringen will und das Ersparte opfert, um auf dem Gipfel des Mount Everest stehen zu dürfen: Der 49-jährige Knittelfelder Vermögensberater Karl Drevlak (Bilder) geht geografisch in die umgekehrte Richtung. Nach unten!

Als Taucher und Mitglied des regen obersteirischen Unterwasser-Klubs "Styrian Seals" kennt er die Meerestiefen. Was hat der Top-Taucher und Fotograf dort nicht schon erlebt und bildlich festgehalten! Jetzt hat er auch den "Olymp" der "Froschmänner" erklommen - Tauchen in der Antarktis! Wo alles klirrkalt und eisig ist, auch das Wasser. Allein das Hinkommen ist ein Abenteuer.

Mehr Bilder vom eisigen Abenteuer in der Infobox!

Karl Drevlak hat sich bei russische Forschern eingekauft. "Das 72 Meter lange Expeditionsschiff 'Professor Molchanov' ist ein schwimmendes Labor. Und weil jedes Unternehmen sehr teuer ist, nimmt man gerne zahlende Hobbyforscher mit, die auch als billige Helfer eingesetzt werden. Ich war einer davon," sagt der Obersteirer.

Bis zu zehn Meter hohe Wellen
An Bord ging's in Ushuaia (Feuerland), dem südlichsten bewohnten Flecken Südamerikas. "Wir haben bei tosenden Stürmen das berüchtigte Kap Hoorn umrundet, dann ging's nach Süden, 3.500 Kilometer weit. Es war ein Kampf gegen die Naturgewalten. Das Eismeer hat ständig bis zu zehn Meter hohe Wellen auf das Schiff geschleudert. Als wir dann aber die Station des ukrainischen meteorolgischen und biologischen Teams erreicht hatten, hat sich das Wetter zum Glück schlagartig verbessert. Wir konnten tauchen – endlich!"

Riss im Tauchanzug kann tödlich sein
15 Wagemutige waren's anfangs, die in Spezialausrüstungen bei Lufttemperaturen bis zu minus 40 Grad ins Nass glitten. "Die Wassertemperatur beträgt hier minus zwei Grad, wegen des hohen Salzgehaltes friert die Oberfläche aber nicht. Gefährlich wird es für den Taucher aber, wenn unten der Lungenautomat zufriert. Auch ein Riss im Anzug kann tödlich sein. Man ist in der Tiefe ständig von scharfkantigem Treibeis umgeben. Wenn da was reißt, hat man maximal fünf Minuten lang Zeit, um das rettende Beiboot zu erreichen." Schafft man's nicht, dann stirbt man durch den Kälteschock.

Acht Taucher kapitulierten
"Am Ende der Expedition waren wir nur noch sieben Taucher," sagt der Knittelfelder. "Die anderen acht hatten aus diversen Gründen aufgegeben." Der Lohn für das Wagnis war aber ein wahrhaft fürstlicher. "Wir durften in eine völlig unberührte, fantastische Unterwasserwelt eintauchen. Zu meiner Verblüffung gibt's hier eine Farbenpracht von Flora und Fauna, wie man sie sonst nur in tropischen Gewässern findet." Zum Staunen bleibt allerdings nicht viel Zeit. "Driftendes Packeis kann einem den Weg an die Oberfläche blitzartig blockieren. Und dann gibt's die Seeleoparden. 800-Kilo-Kolosse von vier Metern Länge, die ihre Reviere mit brutaler Entschlossenheit gegen Eindringlinge verteidigen." Der "Eistaucher" wird uns demnächst mit seinen Vorträgen am Abenteuer teilhaben lassen.

von Werner Kopacka, "Steirerkrone"

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