Am 17. September räumten die Kriminellen in Wörgl ein Geschäft aus und am 8. November versuchten sie in einen Markt in Innsbruck einzubrechen. Insgesamt verursachte die Bande seit 2008 in Österreich, Deutschland, Schweden, Belgien, Italien und Frankreich einen Schaden von 1,5 Millionen Euro. 18 Männer sind in Haft, darunter vier Personen der obersten Führungsebene. Zwei Bandenchefs (27 und 25 Jahre), die in Österreich aktiv waren, sind ebenfalls festgenommen worden. Zur Ausforschung der Täter wurden 16 Hausdurchsuchungen durchgeführt.
Die oberste Ebene der Tätergruppe machte von Litauen aus Vorgaben, in welches Geschäft einzubrechen und welche Waren mitzunehmen seien. Die Aufträge wurden an die Gruppenführer weitergeben, die mit ihren "Soldaten" in das jeweilige Land reisten und die Einbrüche durchführten. Die Länder selbst wurden immer wieder gewechselt, um den Polizeibehörden die Aufklärung der Straftaten zu erschweren.
Geschäfte penibel ausgekundschaftet
"Vor den Einbrüchen wurde das jeweilige Geschäft von den Gruppenführern sehr genau ausgekundschaftet, es wurden Pläne gezeichnet und jeder Soldat wurde genauestens über seine Aufgabe beim Einbruch instruiert", sagte Ernst Geiger, Leiter der Abteilung für Ermittlungen im Bereich organisierte und allgemeine Kriminalität.
An der Durchführung der Einbrüche waren bis zu neun Täter beteiligt. Die erbeuteten Waren wurden mittels Lastkraftwagen oder speziell umgebauten Fahrzeugen nach Litauen gebracht und an die Hintermänner weitergegeben, die den Verkauf organisierten. Im Laufe der Ermittlungen konnten innerhalb der Organisation vier operierende Gruppen ausgeforscht werden, die die Einbrüche über Auftrag durchführten.
Ein Verdächtiger noch auf der Flucht
Acht der Einbrecher werden nach kleineren Verfahren in Litauen nach Österreich ausgeliefert, da sie hierzulande aktiv waren. Ein weiterer dürfte ebenfalls für die Taten in Österreich verantwortlich sein, liegt aber mit einer Schussverletzung in einem litauischen Spital. Ein weiterer Mann ist noch auf der Flucht.
"Dicker Fisch" plauderte den Modus Operandi aus
Auf die Spur der Bande kamen die Ermittler durch die Festnahme eines Täters aus der oberen Ebene in Tirol nach einem Pkw-Einbruch. Dieser verriet der heimischen Polizei den Modus Operandi. "Da ist uns ein dicker Fisch ins Netz gegangen", sagte Christoph Hundertpfund, stellvertretender Leiter des Landeskriminalamts Tirol.
Das heimische BK hat bei der internationalen Polizeioperation unter dem Namen "I-Pod" (nach dem Musikplayer iPod) mit Europol eine federführende Rolle übernommen. BK-Beamte unterstützen in Litauen die örtlichen Polizeibehörden bei der Zerschlagung der Bande, sagte Geiger. "Erstmals ist es uns gelungen, in Zusammenarbeit mit den litauischen Behörden einen Schlag gegen eine litauische Organisation in ihrem Heimatland durchzuführen."
Täter auch in Schweden, Belgien, Italien und Frankreich aktiv
Aufgrund der länderübergreifenden Vorgangsweise der Täter wurde im BK die ARGE "iPod" unter Federführung der Staatsanwaltschaft Innsbruck gegründet. "Durch die enge Zusammenarbeit mit ausländischen Polizeibehörden stellten wir fest, dass die Täter auch in Schweden, Belgien, Italien und Frankreich aktiv waren. Die weiteren Ermittlungen in Zusammenarbeit mit Europol ergaben, dass es sich bei den Tätern um eine hierarchisch organisierte Gruppierung aus Litauen handelt", sagte Geiger. Maßgeblich an der Operation beteiligt waren die Landeskriminalämter Tirol und Oberösterreich.
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