28.06.2019 07:00 |

Für eine echte Zukunft

Innsbruck im Kampf gegen die Klimakrise

Klimawandel, Klimakrise - Klimanotstand: Innsbruck, als erste Landeshauptstadt Österreichs, will sich per Beschluss zum Klimawandel und dessen Folgen bekennen.

Höchste Priorität“ soll dem Klimaschutz in Innsbruck künftig eingeräumt werden, heißt es im Beschlussantrag von Grünen, Für Innsbruck, ÖVP, SPÖ und Seniorenbund. Am 18. Juli soll er, wie berichtet, im Gemeinderat verabschiedet werden. Damit folgt Innsbruck Städten wie Los Angeles, Vancouver, London – und jüngst Traiskirchen. Aber was bedeutet das nun, wenn in einer Stadt der Notstand ausgerufen wird? „So, wie der Antrag formuliert ist, rufen wir den Notstand selbst ja gar nicht aus“, stellt Lucas Krackl, Für Innsbruck Klubobmann, erst mal klar. Man unterstütze aber die „Klimanotstands-Bewegung“.

Klimakrise wird offiziell von Politik anerkannt
Konkret bedeutet das, dass Innsbruck bei Verabschiedung des Beschlusses „die vom Menschen verursachte globale Erderwärmung und die daraus resultierende Klimakrise als eine der größten Herausforderungen der Menschheit anerkennt.“ Das vom Stadtsenat 2017 beschlossene Ziel, wonach Innsbruck bis 2050 energieautonom sein soll, soll demnach bekräftigt und die Erreichung mit Nachdruck weiterverfolgt werden. Des Weiteren heißt es: „Wir wollen kostengünstige und ökologische Mobilität für alle gewährleisten und gleichzeitig das Verkehrsaufkommen und die Schadstoffbelastung deutlich reduzieren. Wir verpflichten uns zur nachhaltigen Optimierung der städtischen Infrastruktur, zum Ausbau der Fußwege, Radwege und der öffentlichen Verkehrsmittel.“

„Notstandsmaßnahmen sehen anders aus“
So weit – so alt. Das sieht zumindest Mesut Onay von der Alternativen Liste Innsbruck so, der „reine Symbolpolitik“ ortet. Der Antrag sei nur eine Wiederholung dessen, was man 2017 ohnehin als Klimaziele ausgewiesen hatte. „Notstandsmaßnahmen sehen anders aus“, betont Onay. Auch bei der FPÖ „entbehrt die Ausrufung des Klimanotstandes nicht einer gewissen Scheinheiligkeit“. FP-Stadtrat Rudi Federspiel: „Die Grünen haben in den vergangenen Jahren grüne Lebensräume in der Stadt zerstört.“ Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi lässt sich die Scheinheiligkeit aber nicht unterstellen – siehe Interview.

Im schlimmsten Fall Erwärmung um 6 Grad
Klar ist jedoch: das Wetter wird immer extremer. Während Tirol im Jänner buchstäblich im Schnee versank, war der Mai der nasseste Monat der Messgeschichte. Der Juni wird als heißester hervorgehen, vom Hochwasser Mitte des Monats ganz zu schweigen. Von einer möglichen Erwärmung von bis zu 6 Grad sprach ein Meteorologe diese Woche im „Krone“-Interview, denn den Alpenraum trifft der Klimawandel massiv. Seit 1900 erhöhten sich die Temperaturen in unseren Breiten um 2 Grad – doppelt so viel wie im globalen Schnitt. 

„In den Köpfen muss sich etwas tun“
Wie äußert sich die Klimakrise in Innsbruck - und sind die Maßnahmen nicht eigentlich alle alt? Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi im Interview.

Herr Willi, wo in Innsbruck ist die Klimakrise?
Die äußert sich hier wie in ganz Österreich. Das Wetter wird immer extremer. Wir hatten einen der schneereichsten Winter der letzten Jahrzehnte - und den heißesten Juni. Die Hitzeperioden werden länger, die Stadt heizt sich extrem auf. Wir müssen die Stadt an die Klimabedingungen anpassen - und den Klimawandel dringend in den Griff bekommen.

Das Wort Notstand impliziert im Grunde Sofortmaßnahmen. Der Beschluss liest sich aber anders....
Es ist ein wichtiger Schritt, dass politisch anerkannt wird, dass es den Klimawandel gibt. Ja, einige Maßnahmen sind nicht neu, aber wenn es in dem Tempo der vergangenen Jahre weitergeht, kann sich das alles nicht ausgehen.

Das heißt, der „Klimanotstand“ soll alte Maßnahmen schneller voranbringen?
Ja. Wir dürfen keine Zeit mehr mit Diskussionen verlieren. Bei Gesprächen zur Verteilung des Straßenraumes gibt es etwa noch immer Auto-fokussierte Mandatare. Aber dass es mehr Radwege und Platz für Öffis braucht, darüber sollte nicht mehr diskutieren werden müssen.

Stichwort Verkehr: Wäre eine Citymaut denkbar?
Das haben wir schon diskutiert, aber dafür ist Innsbruck zu klein. Das wäre wie wenn man in Wien eine Bezirksmaut einführt. Da ist es sinnvoller den Weg konsequent weiter zu gehen, sprich: Innerhalb der Stadt den Parkraum zu verknappen und mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und Öffis zu schaffen.

Nun gibt es ja den Vorwurf der Scheinheiligkeit - im Sinne der Verdichtung mussten ja viele Grünflächen dran glauben...
Scheinheiligkeit ist völlig fehl am Platz, denn man kann mit Daten und Fakten belegen, dass Städte die ökologischste Form des Zusammenlebens sind. Ein Wohnblock mit 100 Mietern versiegelt sehr viel weniger Fläche als Einfamilienhäuser. Aber natürlich kann nicht jeder in der Stadt wohnen.

Am Land hat quasi jeder einen Garten...
Ja, deshalb ist auch klar: (Flach-)Dächer in der Stadt müssen entweder begrünt oder zur Energiegewinnung genützt werden. Das bringt natürlich statisch Herausforderungen, aber viele Umbauten bringen auch Arbeitsplätze. Das wäre zum Beispiel ein positiver Ansatz der Veränderung. Es muss sich jetzt einfach in den Köpfen etwas tun. 

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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