Schnitzler-Stoff

Else auch ohne Fräulein im Dilemma

Mit „Else (ohne Fräulein)“ wagt sich der erfolgreiche oberösterreichische Dramatiker Thomas Arzt an den berühmten Stoff von Arthur Schnitzler heran. Uraufführung wird am Dienstag im Rahmen des Schäxpir-Festivals im Linzer Theater Phönix sein. Dort erfährt man, ob sich für Else seit Schnitzler etwas verbessert hat.

„Krone“:Schnitzlers Else von 1924 verzweifelt an einem moralischen Dilemma. Wie ergeht es Ihrer modernen Else?

Thomas Arzt: Auch sie kommt in eine Situation, in der die Grenze verschwimmt zwischen dem, was sie will und dem, was von ihr gewollt wird. Das Stück stellt die Frage, wo der Machtmissbrauch beginnt, wann ein Flirt gefährlich wird. Wir schauen also in den Kopf der Else rein und hören drei verschiedene Elsen. Wir werden dann sehen, welche Seite sich durchsetzen wird.

Hat sich die Ausgangssituation für Else in den letzten knapp 100 Jahren geändert?

Es ist erschreckend - schon damals kämpfte Schnitzlers Else gegen Moralvorstellungen einer männlich dominierten Gesellschaft, und da sind wir seither nicht weiter gekommen. Es gibt diese böse Selbstverständlichkeit: Was Männer dürfen, müssen sich Frauen erst erarbeiten. Auch im Theater gibt es viel zu wenig gute Frauenfiguren.

Ist dieses Ihr erstes Stück für jugendliches Publikum?

Ja, ich bin schon gespannt, wie es reagieren wird. Aber ich mache keinen großen Unterschied, am ehesten bei der Sprache. Ich will den Jungen die Wahrheit einfach nicht vorenthalten. Und eine gute Geschichte ist doch immer für alle Leute interessant.

Sie haben selbst eine kleine Tochter - inspiriert sie Sie dazu, noch mehr für junge Menschen zu schreiben?

Sie verändert meine Sichtweise. Sie sieht Dinge, die ich nicht sehe. Dann muss ich eben in die Knie gehen. Durch sie habe ich viele neue Ideen. Und ja, dank ihr denke ich darüber nach, für Kinder zu schreiben.

Bleibt dafür momentan überhaupt genug Zeit?

Es ist nicht einfach, aber ich bin draufgekommen, dass ich auch in weniger Zeit viel schaffen kann.

Theater Phönix, Uraufführung am 25. 6., 21 Uhr

Jasmin Gaderer/Kronen Zeitung

 krone.at
krone.at
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen