20.06.2019 16:45

Bürger wehren sich

Innsbruck: „Stoppt den Abriss in der ,Koatlackn‘“

Im ältesten Stadtteil Innsbrucks – St. Nikolaus – donnert die Abrissbirne durch die engen Gassen: Alte Häuser müssen neuen Wohnkomplexen weichen. Eine Initiative wehrt sich, will das Ortsbild schützen.

Die Bäckerbühelgasse in der „Koatlackn“ geht steil nach oben, links stehen alte Häuser, aus einem Herrgottswinkel wacht die Muttergottes über den Fußgänger. Die Straße ist aus Pflastersteinen, Fassaden strahlen in bunten Farben. Es ist ein bisschen südländlicher Charme in der Alpenhauptstadt. Es ist ein bisschen Mittelalter in der Moderne – wäre da nicht der Blick nach rechts. Ein großer Wohnkomplex wächst gerade in die Höhe. Der Baugrund ist bis auf den letzten Zentimeter ausgenützt, kein Streifen Grün hätte hier noch Platz. Der Rohbau ragt einige Stockwerke über die alten Häuser, die dahinterstehen.

„Bauträger gewinnen“
„Es wird um jeden Preis verdichtet“, sagt Wolfgang Burtscher, Hauseigentümer und Initiator von „Stoppt den Abriss von St.Nikolaus“. Der große Bauträger gewinne immer gegen die kleine Familie: „Die alten Häuser werden an diejenigen verkauft, die am meisten bieten – und das sind nun mal jene, die abreißen und danach verdichtete Wohnanlagen daraufstellen.“ Die Tiefgaragenstellplätze ziehen zudem neuen Verkehr in die engen Gassen, der Charme der Erdgeschosszonen gehe verloren.

„Zubetonieren muss aufhören“
Zeitgemäße Adaptierung der Bausubstanzen – dagegen habe niemand etwas, betonen alle Beteiligten. Aber das Zubetonieren und verdichten müsse aufhören. „Das Stadt- und Ortsbildschutzgesetz sieht vor, dass man bei der Sanierung der Häuser für beinahe jede Kleinigkeit eine Bewilligung einholen muss – von der Fassadenfarbe bis zu den Fenstern. Einen Abriss muss man aber seit 2003 quasi nur anmelden. Dieses Gesetz muss repariert werden“, fordert Micheal Guggenberger, Historiker und Archäologe.

Schützenswerte Häuser
Die Hausbesitzer aus St. Nikolaus erstellten einen eigenen Kataster, also eine Ortsteilkarte mit „besonders schützenswerten Gebäuden“. Nun sei man im Austausch mit der Stadt, was schon erste Früchte trug: „Es wurde vom Gemeinderat eine einjährige Bausperre verordnet“, erklären die Beteiligten. In dieser Zeit wolle man mit der Politik an Lösungen arbeiten.

500 Unterschriften
Bei den Innsbrucker Grünen stößt man auf offen Ohren. „Wir werden alle Möglichkeiten und die uns zur Verfügung stehenden rechtlichen Instrumente nutzen, um den Erhalt der traditionellen Charakteristik des ältesten Stadtteils Innsbrucks zu unterstützen“, sagt die Grüne Gemeinderätin und Bürgerinnenbeteiligungssprecherin Janine Bex. Die Petition zur „Rettung der Koatlackn“ wurde bereits rund 500 Mal unterschrieben.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter

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