30.05.2019 07:00 |

Abschusszahl steigend

Schädliche „Touristen“: Wildschweine in Tirol

Es hört sich an wie eine Szene aus „Asterix und Obelix“: In der Oberländer Gemeinde Pettnau ging man jüngst auf Wildschweinjagd. Die Population der Tiere sei aufgrund des Klimas europaweit steigend, immer öfter verirren sich Wildschweine aus Nachbarländern auch zu uns. 22 wurden im vergangenen Jahr geschossen.

Zwischen Bär und Wolf reiht es sich ein – das Wildschwein. Denn auch die beiden Ersteren schaffen es immer wieder in die Medien. Nun ist aber offenbar auch die Wildsau los, wie Szenen aus der kleinen Gemeinde Pettnau zeigen. Weil Landwirte dort Spuren in einem Feld entdeckt hatten, ging man auf Wildschweinjagd, Polizeieinsatz inklusive.

Gefahr für den Verkehr
„Die Jäger haben uns verständigt“, schildert ein Telfer Polizist. „Mit Hunden wurde versucht, Schweine aufzuspüren, die sich offenbar im Gebüsch neben der Straße versteckt hatten. Damit keines davon in den Verkehr und gegen ein Auto springt, haben wir präventiv die Straße für eine halbe Stunde gesperrt“, erklärt der Beamte. Erfolgreich waren die Jäger laut Polizei aber nicht – zumindest nicht in diesem Fall.

Abschusszahlen steigend
Aber Moment – Wildschweine in Tirol? Tatsächlich verirren sich die Tiere immer öfter zu uns, wie die Abschusszahlen zeigen: Während im Durchschnitt jährlich zwischen 0 und zehn Tiere in Tirol geschossen werden, waren es im vergangenen Jahr 22. Zusammenhängen könnte das mit den hohen Temperaturen des Vorjahres. Diese seien für die Populationsdynamik von Vorteil, erklärt Landesjägermeister Anton Larcher. Tirol sei eigentlich aufgrund der kalten Winter für die Tiere nicht ideal. Der Klimawandel führe aber dazu, dass die Tiere europaweit bessere Lebensbedingungen vorfinden und sich dadurch auch schnell vermehren.

Pflügen die Erde um, hinterlassen Schäden
Dass sich die Wildschweine aber ins Tal trauen, sei eher ungewöhnlich, schildert Larcher. Sind diese Tiere doch Kulturflüchter, also eher fernab von Menschen im Wald unterwegs. Dort hinterlassen sie auch immer wieder grobe Schäden. In Osttirol ackerte eine Rotte vor vier Jahren einen Almboden ordentlich um. Jäger und Bauern sanierten gemeinsam. Auch seitens der Landwirtschaftskammer wird bestätigt: „Es kommt vereinzelt immer wieder zu Schäden, vor allem in höheren Regionen bzw. Almen“, heißt es. Da es aber keine zentrale Erfassung gäbe, sei es schwierig, die Schadenshöhe festzustellen.

Schwarzwild ist trotz allem aber Seltenheit
Anton Larcher sieht in landwirtschaftlichen Schäden aber eher Ausnahmen – „Wildschweine sind trotz allem noch eine Seltenheit. Auch wenn sie in letzter Zeit ein bisschen mehr wurden.“ In Pettnau waren die Jäger dann doch noch erfolgreich: „In meinem Feld wurden jüngst Wildschweine erlegt“, erzählt ein Pettnauer Landwirt. „Braten wurde aber keiner draus“, schmunzelt er, die Tiere seien voller Parasiten. Das ist aber nicht das einzige Problem: Manche seien auch radioaktiv verstrahlt – siehe Interview.

„Wildschweine sind Durchzügler“
Landesjägermeister Anton Larcher erklärt, woher die Wildschweine kommen, ob sie bei uns bleiben - und warum manche radioaktiv sind.

Woher kommen die Wildschweine eigentlich?
Wir sind quasi umzingelt von Gebieten, in denen sie heimisch sind: Südtirol, Bayern, Salzburg, Kärnten. Alle, die nördlich des Inns sind, kommen vermutlich aus Bayern - die untersuchen wir auf Radioaktivität.

Warum das?
Der radioaktive Niederschlag war südlich von München relativ hoch (Tschernobyl, Anm.), die Verstrahlung liegt etwa zehn Zentimeter tief im Boden - das ist genau die Tiefe, in der Wildschweine nach Nahrung suchen. So bekommen sie eine höhere Strahlendosis ab. In Reutte haben wir vor zwei Jahren Tiere erlegt, die den Grenzwert von 600 Becquerel massiv überschritten hatten. Die Werte bei diesen Tieren lagen bei rund 3000.

Dürfen die Tiere immer geschossen werden?
Es gibt drei Arten von Wildtieren: Jene, die ganzjährig geschont sind wie etwa Greifvögel. Für Hirsch, Reh oder etwa Gams gibt es Schuss- und Schonzeiten. Das Wildschwein aber ist ganzjährig bejagbar - allerdings halten wir den Mutterschutz ein. Eine führende Bache wird aus ethnischen, moralischen Gründen nicht geschossen.

Könnten sie trotzdem bei uns heimisch werden?
Ich denke eher nicht. Dafür sind die Winter in Tirol einfach zu kalt, sie überleben das zwar, aber wohl fühlen sich die Tiere mehr in warmen Gebieten. Ein paar Durchzügler wird es aber immer geben.

Anna-Katharina Haselwanter
Anna-Katharina Haselwanter
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