25.05.2019 07:30 |

Intensive Nutzung

Unsere Alpen als ein bedrohtes Paradies

Gletscher schmelzen dahin, Tier- und Pflanzenarten sterben aus, ganze Landstriche werden verbaut: Natur- und Umweltschützer pochen vehement auf ein rasches Umdenken in der Alpenpolitik, kritisieren die Wirtschaft scharf. Alpenverein, WWF und Naturfreunde appellieren aber auch an die Vernunft jedes Einzelnen.

Den Grünen See - als steirisches Parade- und Extrembeispiel - in einem Atemzug mit dem Begriff Naherholungsgebiet zu nennen, fällt Norbert Hafner, Chef des steirischen Alpenvereins, schon lange nicht mehr ein: „Die Situation hier ist äußerst problematisch. Ein Besuch an einem Wochenende hat mit Erholung vermutlich nur noch wenig zu tun“, meint der Experte.

Wer zahlt, schafft an
Es ist aber nicht nur der Massentourismus, der den Naturschutz-Organisationen Kopfzerbrechen bereitet, auch das Vorgehen der Energiewirtschaft sorgt für Kritik: „Die jüngste Novelle zum Naturschutzgesetz sieht die Schaffung sogenannter Vorrangzonen vor. Was heißt das in der Praxis? Dass Windparks künftig sogar in Schutzgebieten gebaut werden dürfen“, schüttelt Hafner den Kopf.

Lkw-Fahrten in zehn Jahren um 66 Prozent gestiegen
30.000 Tier- und 13.000 Pflanzenarten sind in den Alpen - noch - zu finden. 150 Millionen Touristen, 160 Millionen Skitage sowie zuletzt 10,4 Millionen Lkw-Fahrten jährlich bedrohen das Paradies aber massiv.

Ruf nach verbindlichen Ausbaugrenzen
Dass es nicht mehr lange so weitergehen kann, steht für ÖAV-Präsident Andreas Ermacora außer Frage: „Es braucht klare Ausbaugrenzen, die verbindlich eingehalten werden, sanfter Tourismus muss verstärkt gefördert werden. Gibt es keine Wende, steht das ökologische, ökonomische und soziale Gleichgewicht in den Alpen zur Disposition.“

Vor der eigenen Haustüre kehren
Ein Umdenken wird aber nicht nur von Politik und Wirtschaft eingefordert, jeden Einzelnen nimmt man in die Verpflichtung: „Wenn ich sehe, wie viele Tourengeher im Winter unterwegs sind und dass die allermeisten alleine mit dem Pkw anreisen und dann alles zuparken - da muss man sich etwas überlegen“, betont Norbert Hafner.

Barbara Winkler
Barbara Winkler
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