08.05.2019 13:10 |

Personalmangel

Rotes Kreuz bangt um Freiwillige

Soziale Kälte, kürzere Verweildauer und Nachwuchsprobleme – damit haben Einsatzorganisationen wie das Rote Kreuz derzeit zu kämpfen. Immer weniger Salzburger entschließen sich zum Freiwilligendienst. Heute, am Weltrotkreuztag, berichten zwei ehrenamtliche Mitglieder von ihren Einsätzen aus Liebe zum Menschen.

Mehr als 73.000 Personen sind mit jährlich 12,3 Millionen Einsatzstunden als Freiwillige beim Roten Kreuz Österreich tätig, trotzdem sind es zu wenige. In Salzburg schlüpfen 4.558 Personen ehrenamtlich in die rote Jacke, gerade im Rettungsdienst fehlt es aber an Personal. „Ehrenamt ist unsere Basis - ohne Freiwillige gibt es keinen Rettungsdienst“, macht der Salzburger Rotkreuz-Vizepräsident Bert Neuhofer auf die schwierige Situation aufmerksam.

Gesellschaftlicher Wandel als Ursache

Die Gründe für den Rückgang sind vielfältig und gehen auf gesellschaftliche Entwicklungen zurück. Zum Beispiel nimmt die Verweildauer im Freiwilligendienst ab: Durchschnittlich bleibt ein ehrenamtlicher Mitarbeiter in Salzburg zehn Jahre beim Roten Kreuz, in der Stadt sind es nur zwei Jahre. Auch geburtenschwache Jahrgänge bereiten Neuhofer Sorgen. Die meisten jungen Männer kommen über den Zivildienst zum Roten Kreuz, wo wir beim nächsten Problem landen: die Untauglichkeit. Rund ein Viertel der Stellungspflichtigen in Österreich ist untauglich und damit nicht nur von der Wehrpflicht, sondern auch vom Zivildienst befreit.

Das Problem spürt auch der Salzburger Samariterbund: „Als der Zivildienst 2006 von zwölf auf neun Monate verkürzt wurde, ist bei uns ein Viertel des Personals weggefallen. Heute spüren wir zusätzlich die geburtenschwachen Jahrgänge - in Salzburg fehlen uns etwa 30 Zivildiener“, klagt Christian Dengg, Geschäftsleiter beim Salzburger Samariterbund. Er spricht sich für eine freiwillige Verlängerung des Zivildienstes - wie es sie schon einmal gab - aus.

Nachwuchsprobleme kennt der Salzburger Feuerwehrverband nicht. Landesfeuerwehrkommandant Leopold Winter freut sich mit rund 16.000 Mitgliedern sogar über einen Höchststand: „Es könnten immer mehr sein. Klar gibt es punktuell Herausforderungen, bei uns gibt es aber keine akute Gefahrenlage.“

Darum lohnt sich der Dienst am Menschen - zwei Freiwillige berichten

Für Tobias Kühleitner ist der Rettungsdienst eine Ehrensache. Seit sieben Jahren ist er nachts im Einsatz. Er schätzt besonders den Zusammenhalt im Team: „Wir haben eine tolle Gemeinschaft und helfen uns gegenseitig, das Erlebte zu verarbeiten.“ Tobias ist durch seine Sanitätsausbildung beim Heer zum Roten Kreuz gekommen und geblieben. Er opfert seine freien Nächte und bekommt Dankbarkeit zurück. „Von einem Lächeln bis zu einem ehrlichen ‘Danke‘ - das motiviert mich weiterzumachen,“ sagt der 26-Jährige aus Anthering.

Auch Carina Steiner engagiert sich neben Studium und Beruf ehrenamtlich. Im Besuchsdienst des Roten Kreuzes leistet sie älteren Menschen Gesellschaft. „Ich wollte etwas machen, wo ich anderen Menschen helfen kann“, sagt die 31-jährige Salzburgerin. Sie genießt die Stunden mit ihren Klienten: „Eine Dame sagt, ich bin ihr wöchentliches Highlight. Das ist die schönste Bestätigung.“

Mit einer Kampagne will das Rote Kreuz nun mehr Menschen zum Freiwilligendienst bewegen. „Wir bieten eine staatliche Ausbildung, starken Teamgeist und Freundschaften über den Dienst hinaus“, sagt Rotkreuz-Vizepräsident Bert Neuhofer. Für alle Interessierten gibt es beim Roten Kreuz Salzburg am 13. Mai einen Infoabend zum Thema „Freiwillige Mitarbeit“.

Magdalena Mistlberger

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