Fast Schauspiel-Flop:

Russische Wald-Witwe angelt sich jungen Lover

1871 schrieb Alexander Ostrowski seine Komödie „Der Wald“. Das ist schon ein Weilchen her, leider merkt man das der Inszenierung im Linzer Schauspielhaus auch an. Regisseur Stephan Suschke unternahm keinerlei Versuche, irgendeine Brücke ins Heute zu bauen oder eine deftige Schauspieler-Satire zu brauen.

Der Russe Alexander Ostrowski (1823-1886) arbeitete einige Jahre als Kanzlei-Beamter, u. a. am Handelsgericht in Moskau, wo in erster Linie Korruptionsfälle verhandelt wurden. Seine Komödie „Der Wald“ kapriziert sich denn auch weniger rund um Natur, sondern mehr um die Heuchelei der Leute mit Geld und die Heuchelei der Leute ohne Geld.

Doch Regisseur Stephan Suschke lässt die Inszenierung im Schauspielhaus - Bühne und Kostüme von Siegfried E. Mayer - schaumgebremst vor sich hinplätschern: Eine gelangweilte Witwe verkauft Waldstück für Waldstück, um sich ihr gutes Leben zu finanzieren. Zuletzt entpuppt sie sich als „Sugar-Mummy“, die sich einen geistig wenig betuchten, aber dafür jungen Lover angelt. Dazwischen piesackt sie abwechselnd ihre arme Nichte und den noch ärmeren Schauspieler-Neffen und wird ihrerseits vom ausgefuchsten Holzhändler über den Tisch gezogen

Das alles lässt Suschke einigermaßen papieren herunterspulen. Ja doch: hin und wieder entfleucht einem ein glücklicher Schmunzler. Der ist dann mit ziemlicher Sicherheit dem einzig funkelnden Edelstein in dieser Inszenierung zu verdanken, dem wunderbaren Vasilij Sotke, der nicht nur als alter Lakai zum Abbusseln ist, sondern auch als Sänger verzaubert gemeinsam mit Quetschn-Musiker Nebojsa Krulanovic. Ebenfalls auf der Haben-Seite dieses Abends rangiert Katharina Hofmann als Gutsherrin auf dem Ego-Trip: Sie erspielt ihren Charakter souverän, aber ohne dass ihr tiefere Facetten abverlangt worden wären. Rundum findet sich ein solides Ensemble. Dennoch holpert das Finale dann schon sehr und irgendwann fällt das Wort „Provinztheater“. Wollen wir hoffen, dass zumindest das nur satirisch gemeint war.

Milli Hornegger, Kronen Zeitung

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