28.04.2019 20:00 |

Oper Graz:

„Die Jahreszeiten“ als getanzte Bildergalerie

Einen bunten, komödiantischen Bilderreigen präsentiert die neue Ballettchefin Beate Vollack mit ihrer ersten eigenen Choreografie an der Oper Graz: Sie übersiedelt Haydns weltliches Oratorium „Die Jahreszeiten“ ins Museum und verwandelt den Kreislauf des Lebens so in einen sinnlichen Augen- und Ohrenschmaus.

Die Bilder der Winterausstellung werden gerade verräumt und die Putzfrau fegt durch das Museum, als die Ouvertüre anhebt und den Beginn eines neuen Zyklus verkündet. Die Jahreszeiten sind ein ewiger Kreislauf, und so wird Beate Vollacks Inszenierung von Haydns gleichnamigem Oratorium auch nicht mit dem traditionell-winterlichen „Amen“ enden, sondern am Schluss wieder zu eben dieser Ouvertüre zurückkehren. Dazwischen liegt ein ganzes Jahr - komprimiert auf zwei unterhaltsame Stunden.

Bilder einer Ausstellung
Die Grundidee von Vollacks Inszenierung passt perfekt zum Tableau-Charakter der Komposition: Bild für Bild reiht Haydn die Szenen der Jahreszeiten aneinander. Vollack macht daraus Bilder einer Ausstellung, die nicht nur auf Staffagen und in gigantischen Rahmen zu sehen sind, sondern zum Leben erwachen, zu singen und zu tanzen beginnen. Sie bietet der Musik Haydns einen prunkvollen Rahmen.

Chor im goldenen Rahmen
So steht der von Bernhard Schneider großartig einstudierte Opernchor den Großteil des Abends ganz wörtlich im goldenen Rahmen. Und auch in ihren Choreografien macht Vollack mitunter die Partituren Haydns sichtbar, indem sie die Tänzer in Gruppen aufteilt und den einzelnen Stimmlagen oder Instrumenten zuteilt.

Grandiose Bildwelten
Als Leitfiguren dienen drei Sänger, die in van Swietens Original-Libretto verzweifelt um Handlung ringen müssen. Vollack befreit Mirella Hagen, Neven Crnić und Martin Fournier aus diesem Korsett und macht sie zum Museumspersonal, das sich lustvoll in die grandiosen Bildwelten von Jon Morrell (Bühne und Kostüme) hineinfantasieren darf.

Dort begegnen sie kitschigen Rokoko-Pärchen genauso wie Badenixen in Mondrian-Wäsche, treffen auf russische Arbeiter genauso wie auf VIP-Gäste einer Vernissage und müssen sich mit lästigen Schafen genauso herumschlagen wie mit flüchtigen Schneeflocken.

Präzise Leichtigkeit
All das (und vieles mehr) verkörpert das Ensemble des Grazer Opernballetts mit präziser Leichtigkeit. Fast ist es ungerecht, aus der famos miteinander tanzenden Einheit Solisten hervorzuheben: Enrique Sáez Martínez glänzt als athletisch-beschwipster Bacchus, Lucie Horná begeistert als Haydns Security und Kristín Marja Omarsdóttir sorgt als Frau im Winter für einen der wenigen berührenden Momente in den sonst so konsequent in Richtung Komödie schielenden „Jahreszeiten“.

Am beeindruckendsten ist diese Produktion aber ohnehin in jenen Momenten, in denen nicht Einzelne glänzen, sondern Tänzer, Chor, Sänger und Orchester zu fließenden Wimmelbildern verschmelzen, an denen sich das Publikum kaum sattsehen kann. Großer Applaus!

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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