24.04.2019 20:45 |

Mittwoch Spatenstich

Gasen feierte zum Baubeginn ein Volksfest

Unfassbares Pech hatten die Gasener in den letzten Jahren mit dem Wetter. Nach dem Katastrophen-Rekord 2018 wurde für die oststeirische Gemeinde ein Paket zum Schutz vor Hochwasser geschnürt. Am Mittwoch begingen Einheimische und Ehrengäste den feierlichen Spatenstich. Es herrschte Aufbruchsstimmung. In Summe werden 13,4 Millionen investiert.

„Wer hat unser Klima verdreht, ist es wirklich schon zu spät?“ So sangen die Kindergartenkinder und Volksschüler im Chor – und mancher Erwachsene im Publikum verspürte einen Stich im Herzen. Wohl niemand in der Steiermark weiß besser als die Gasener, dass das Klima längst „verdreht“ ist, dass etwas nicht mehr stimmt mit dem Wetter.

2005, als in der 900-Einwohner-Gemeinde das erste Mal die Hölle losbrach und zwei Menschen starben, dachten viele noch an ein Jahrhundert-Ereignis. Doch auch 2008, 2010, 2016 und 2017 wurden Katastrophen ausgerufen. Höhepunkt: das Jahr 2018, als es gleich fünf schwere Unwetter gab.

Wolkenbrüche und Stürme verwandelten den Gasenbach und seine Zuflüsse in reißende Sturzfluten, brachten Hänge zum Rutschen, entwurzelten Bäume. Bewohner, Einsatzkräfte und Verwaltung waren am Ende.

„Heute ist ein Tag der Zuversicht“
„Wir haben zwei Todesfälle erlebt“, zog Bürgermeister Erwin Gruber am Mittwoch bittere Bilanz. „Es gab viel Schmerz und Frust und Schäden von 20 Millionen Euro. Aber heute ist ein Tag der Zuversicht, an dem der Blick nach vorne geht.“ Gruber dankte der Politik, die im vergangenen Herbst Nägel mit Köpfen gemacht hat: 12,5 Millionen Euro holte Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer beim Bund heraus. Es wurde sogar ein Gesetz geändert, damit die Gemeinde Gasen durch ihren Finanzierungs-Anteil nicht ruiniert wird.

„Du bist nicht nur einer meiner treuesten, sondern auch einer meiner teuersten Freunde,“ scherzte Schützenhöfer in Richtung des Bürgermeisters. Dann beschwor er den Zusammenhalt in schweren Zeiten: „In keiner anderen Gemeinde habe ich das Miteinander so stark gespürt wie hier.“

Der „kleine Brenner“ als große Tat für Gasen
Agrarlandesrat Hans Seitinger lobte die Millionen-Spritze aus dem Steuertopf als „kleinen Brenner fürs Bundesbudget, aber eine große Tat für Gasen“. Es passe gut, dass das Gemeindewappen unter den drei Eschen eine Art Rückhaltebecken zeige, so Seitinger. Und: „Der Klimawandel bringt neben den globalen auch lokale Katastrophen. Da gibt es kein Vollkasko.“

Umweltlandesrat Anton Lang zeigte sich angesichts des Maßnahmenpakets zuversichtlich, dass die Gasener künftig sicherer leben – und wandte sich mit einem unmissverständlichen Geständnis an die Kinder: „Ihr habt gefragt, wer unser Klima verdreht hat. Das waren wir Menschen.“

Matthias Wagner
Matthias Wagner
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