10.04.2019 15:02 |

EU-Fleischskandal?

Faule Tricks: Ukrainisches Huhn auf unserem Teller

Mit Krediten aus EU-Ländern sollen Hühner eines ukrainischen Oligarchen mithilfe eines Tricks massenweise in die EU eingeführt werden. Der Parlamentsklub „Jetzt“ richtet nun eine Anfrage an die zuständige Politik.

Beim Zerlegen der Tiere in der Ukraine bleibe ein Knochen an den Hühnerbrüsten. Die damit als minderwertig klassifizierten Stücke könnten somit unbegrenzt importiert werden, wie auf der Webseite der Agentur „Shifting Values“ zu lesen ist: „Im Jahr 2017 schlachtete der Konzern MHP 312 Millionen Hühner – mehr als 850.000 an jedem einzelnen Tag des Jahres. Nicht miteingerechnet sind hier die hunderttausenden Hühner pro Jahr, die noch vor ihrem Schlachttermin jämmerlich verenden. In den letzten Wochen und Monaten sorgte MHP für Aufregung, da der Konzern mit tatkräftiger Mithilfe der niederländischen Behörden ein Schlupfloch gefunden hatte, die teure Hühnerbrust an geltenden Importquoten vorbei aus der Ukraine in die EU einzuführen.“

„Jetzt“ stellt Anfrage an Gesundheitsministerin
Ohne Unterstützung durch öffentliche Mittel ginge es nicht - internationale Entwicklungsbanken stellten mehr als eine halbe Milliarde Euro Kapital. Mit dem Geld wurde unter anderem die größte Geflügelmastanlage Europas errichtet, sie hat eine Kapazität von 220 Millionen Hühnern. Über die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) halten die einzelnen EU-Mitgliedstaaten mehr als die Hälfte der Anteile, auch das Land Österreich ist Anteilseigner von 2,28 Prozent der EBRD und hat seit 1992 Geldmittel in der Höhe von 116 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dem Parlamentsclub „Jetzt“ ist das ein Dorn im Auge. Tierschutzsprecherin Daniela Holzinger-Vogtenhuber richtet nun eine Anfrage an Gesundheitsministerin Beate Hartinger-Klein (FPÖ), Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) und Elisabeth Köstinger (ÖVP), Ministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus: „Es ist unverständlich, warum Geld von europäischen Investitionsbanken, die auch mit österreichischem Steuergeld finanziert werden, verwendet wird, um einem Oligarchen, der ohnehin bereits den ukrainischen Markt dominiert, dabei zu helfen, seine Vormachtstellung weiter auszubauen.“

Sowohl aus Sicht des Tier- als auch des Umweltschutzes eine Katastrophe. Niemand weiß so ganz genau, wie viel von dem ukrainischen Hühnerfleisch auf Österreichs Tellern zu finden ist. Die Hauptmenge ist im Bereich von Gastronomie, Großküchen und Kantinen zu vermuten. Selten weiß der Konsument bescheid darüber, wo das Fleisch eigentlich herkommt, denn anders als im Lebensmittelhandel gibt es hier keine Kennzeichnungspflicht. "In nicht-biologischen Restaurants am besten zu vegetarischen Gerichten greifen", so der Tipp von "Shifting Values". Die Kontrollen der Tierhaltungsanlagen in der Ukraine sind laut den Tierschützern mehr als lückenhaft. Eine Überprüfung von MHP durch die EU-Kommission ergab Verstöße gegen die EU-Richtlinien bei der Schlachtung.

„Müssen unsere Konsumenten und Produzenten schützen“
Mittlerweile ist auch die EU-Kommission auf den Trick mit den Knochen an der Hühnerbrust aufmerksam geworden. Zum Entsetzen der Tierschützer soll nun aber das Abkommen mit der Ukraine so umgeschrieben werden, dass MHP in Zukunft seine Hühnerbrüste legal exportieren kann. Die Quote soll einfach auf die Menge angehoben werden, die MHP jetzt mit Tricks in die EU verbringt. Daniela Holzinger-Vogtenhuber von „Jetzt“: „Man kann hier durchaus von einem Fleischskandal sprechen und es bedarf hier Aufklärung, was die österreichische Bundesregierung gegen dieses Vorgehen unternimmt, damit der MHP-Konzern keine weiteren Gelder der Entwicklungsbanken bekommt, damit Tierwohlkriterien auch bei Importen eingehalten werden und damit die Konsumenten ausreichend über die Herkunft des Hühnerfleisches informiert werden. Österreichische Kleinproduzenten können preislich niemals mit einem derartigen Giganten, der unter Verletzung sämtlicher Auflagen produziert, mithalten und müssen deshalb geschützt werden.“

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