16.03.2019 15:30 |

Im Landestheater

Komödienwettbewerb „Die Freiheit des Lachens“

Lustig waren im Landestheater-Bewerb für Komödientexte zuerst, zwischendurch und zuletzt die Moderationen von Michael Niavarani. Bei den insgesamt acht von 40 eingereichten Texten ging es in den kurzen Szenen eher gemischt zu. Der überzeugendste Plot gewann in einer Publikumswahl.

Und die hat die gebürtige Grazerin Ursula Mihelič mit ihrem Text „Der Tisch“ für sich beanspruchen können. 3000 €, ein Bühnenverlag (Schultz & Schirm), eine komplette Leseaufführung am Landestheater. Die Geschichte: ein kinderloses Paar mit Papagei (den Georg Clementi akustisch aufmotzt) kauft sich einen absurd teuren Tisch, wartet auf die 22 fehlenden Sessel, überlegt, wen man da einladen könnte. Kommt eh keiner. Doch, die Mutter mit ihrem afghanischen Pfleger. Danach ist das Luxus-Problem ein geerdetes Desaster.

Ein zweiter Text hatte auch eine Kern-Substanz: Astrid Steiners „Stiege 4 / Top 13“ über zwei Ehepaare, ein wenig im Yasmina Reza-Stil als Entlarvung von vielerlei Lügen.

„Nia“, wie gute Freunde von Michael Niavrani ihn nennen dürfen, hat es verdeutlicht: „Es sind Häppchen mit Humorbegleitung“.

Er ist ein „Wuchteldrucker“, was im Ersten keine, in anderen Wiener Bezirken gängige Sprachregelung ist. Und er hatte eine Ping Pong-Pointen-„Sidebar“ mit der Jury: Gregor Seberg, Magda Leeb (eingesprungen für Maria Happel) und dem deutschen Comedian Thomas Hermanns. Dem musste allerdings beigebracht werden, was „Schasauge“ und Einbrennsuppe ist. Gut so. Die Vorauswahl hat Thorsten Sievers, deutscher Comedian-Producer und Coach, gemacht. Da stellt sich die hinreißende Frage: Was hat Comedy mit Komödie zu tun? Nix. Der biodynamisch, ethisch einwandfreie „Porno“-Text (von Lea Mantel) mit Zucchini und Sprüh-Schlagobers würde bestens in Mario Barths Eisbein-Kracherkomik passen.

Es war da noch eine Szene: Hitler und Stalin sitzen seit 70 Jahren am Himmelstor und werden nicht eingelassen, Titel: „Die Hölle lässt auch nicht jeden hinein“ (Philipp Kostecki). Da sind sie auch nicht erwünscht. Eine Konstellation, die einer Karikatur entsprungen sein könnte, auf einer Bühne eine grauenhafte „Lustigkeit“. Das Unsägliche ist weder in Komödie noch in Tragödie oder Doku-Drama zu fassen.

Was bleibt, was der Ertrag? Gute Ambition vor ausverkauftem Haus, alte Erkenntnis, dass Komödie zum schwierigsten Theatergenre zählt – die Erwartung.

Hans Walter Langwallner
Hans Walter Langwallner
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