18.03.2019 07:00 |

Live in Wien & Graz

John Mayall: Der Urvater des Blues kommt zu uns

Im stattlichen Alter von 85 befindet sich die Blues-Legende John Mayall ein weiteres Mal auf Europatour und macht dieser Tage auch in Wien und Graz Halt. Mit an Bord hat er unsterbliche Hits wie „Room To Move“ und ein brandneues Album namens „Nobody Told Me“. Im Gespräch ließ uns der Kultstar aus dem britischen Macclesfield ein klein wenig in seine Welt blicken.

Helden gibt es viele, doch es kann nur einen Urvater geben. Wenn vom „weißen Blues“ die Rede ist, dann spricht man unweigerlich vom Briten John Mayall. 85 Jahre wurde die Gitarristenlegende Ende November 2018 und was diese Lebensmarke wirklich besonders macht, ist die Tatsache, dass er sich noch immer unentwegt auf Tour befindet. Aktuell kreuzt Mayall durch Europa, macht in wenigen Tagen auch in Wien und Graz Halt und verwurstet dabei nicht nur so manch unsterblichen Klassiker, sondern hat mit „Nobody Told Me“ tatsächlich ein brandneues Studioalbum am Start. Wie viele solcher sich über die Jahre hinweg zusammengesammelt haben, ist längst nebensächlich, denn Mayalls Legendenstatus wächst über bloße Zahlenspiele hinaus. Dabei wäre eine Karriere so wie seine heute gar nicht vorstellbar. Etwa, dass er sie in den 50er-Jahren für einen dreijährigen Militärdienst in Korea unterbrechen musste, oder dass er sein erstes Studioalbum „John Mayall Plays John Mayall“ erst im stolzen Alter von 31 Jahren eingespielt hat.

Der Meister und die Zöglinge
Die industrielle Kälte Englands hat er schon 1969 gegen die Sonne Kaliforniens ausgetauscht, vielleicht attestiert man Mayall auch deshalb dieses besonders filigrane Gefühl, das seinen Blues seit Lebzeiten durchzieht. „Hauptsächlich bin ich wegen des Klimas umgezogen“, erklärt er uns im Interview, „ich fühlte mich dort einfach wohler und habe den Wechsel nie bereut.“ Wenn er noch durch England tingelt, um die zeitlose Rhythmik des unsterblichen Blues zu vermitteln, dann trifft er stets auf alte Bekannte, denen er mitunter einen märchenhaften Karriereweg geebnet hat. Unter dem Banner Powerhouse Four begründete er 1962 das erste Blues-Konglomerat, benannte es etwas später Blues Syndicate und schlussendlich Bluesbreakers. Darunter präsentierte er 1963 im Londoner Marquee Club seine Band und verhalf einer ganzen Armada an hungrigen Musikern zu späterem Weltruhm. Namen wie Eric Clapton, Peter Green, Jack Bruce, Mick Fleetwood oder Mick Taylor gingen bei ihm aus und ein und wurden später zu Millionensellern. Die einen wanderten zu Cream ab, andere gründeten Fleetwood Mac, wieder andere brachten seine Lehre zu den Rolling Stones.

„Dass die Leute einmal so berühmt werden würden, ist aber nur ein kleiner Teil meiner Karriere“, winkt er bescheiden ab, „die meisten waren nicht länger als ein Jahr in meiner Band. Die Leute vergessen immer, dass ich gerade in den letzten Dekaden meist ein sehr stabiles Line-Up hatte, aber natürlich sind die Namen nicht mehr so klingend und so achtet man weniger darauf.“ Die Verbindung zu seinen ehemaligen Zöglingen hat Mayall über die Jahre nie verloren. Mit großer Freude und einer gehörigen Portion Respekt luden sie ihn immer wieder ein, um auf diversen Alben als Gast aufzutauchen und noch heute reißen sich die Großen des Genres um eine Kooperation mit dem Urvater des Blues. So hört man auf „Nobody Told Me“, einem wunderbar überraschungsarmen, aber kompositorisch astrein-zeitlosen Album, Kaliber wie Gitarrengenie Joe Bonamassa, Bruce-Springsteen-Gitarrist Steven Van Zandt, Rush’s Alex Lifeson oder seine brandneue Tourgitarristin Carolyn Wonderland. „Ich weiß mittlerweile selbst nicht mehr, wie viele Alben ich eingespielt habe“, lacht er, „aber alles, was aus mir herausströmt ist frisch und nichts klingt so wie das vorangegangene Album. Ich betrachte den Blues aus verschiedenen Blickwinkeln.“

Simpel, aber effektiv
Die Liebe zum Blues und zur Musik ist bei Mayall größer als alles andere. Ansonsten würde er sich mit 85 keine solchen Ochsentouren mehr antun. Eine Leidenschaft, die manchmal Leiden schafft, im Großen und Ganzen aber das größte Glück des Lebens für den Musiker bedeutet. „Ich spiele live auch oft vor jüngeren Menschen und kann daher bei meinen Kompositionen nicht ewig in der Vergangenheit stecken bleiben. Der Blues hatte schon viele schwere Zeiten hinter sich, aber noch immer werden viele Leute, die auf ihn stoßen, von ihm gepackt und nicht mehr losgelassen.“ Das Touren ist für Mayall nach wie vor mehr Segen als Fluch. „Wir reisen sehr simpel. Rein in den Bus, auf zur nächsten Stadt, rauf auf die Bühne. Wir haben stets ca. 40 Songs im Repertoire, aus denen wir schöpfen können und die Abend für Abend variiert werden. Das einzige, was wirklich essenziell ist, ist ausreichend Schlaf. Das ist die halbe Miete dafür, dass man eine gute Tour spielt.“

Ans Aufhören denkt Mayall zu keiner Sekunde. Er ist das Paradebeispiel für einen positiv Getriebenen, der seiner Passion mit ungebrochenem Feuereifer nachgeht. „Weiterzumachen, Konzerte zu spielen und Alben aufzunehmen gehört dazu bis zu meinem Tod. Ich werde auf jeden Fall so lange weitermachen, wie es mir nur irgendwie möglich ist.“ Seine Fans schätzt Mayall über alle Maßen, ein zu bezahlendes Meet-&-Greet-Paket würde bei ihm niemals in Frage kommen. „Ich weiß das sehr zu schätzen, dass die Menschen so konstant zu meinen Konzerten kommen und mich noch immer sehen wollen. Ich trete gerne mit ihnen in Kontakt und das ist auch der Grund, warum ich nicht nur nach dem Auftritt, sondern auch schon zuvor meine CDs signiere und verkaufe.“ Und wie der Verfasser dieser Zeilen bereits persönlich beobachten konnte - Mayall ist sich auch tief in seinen 80ern nicht zu schade, die Merchandise-Ecke selbst aufzubauen und zu befüllen. Zur gleichen Zeit beschwert sich irgendwo auf dieser Welt ein 23-jähriger Möchtegern-Popstar über das schale Grün seines Avocado-Smoothies…

Zwei Live-Shows
Im Zuge seiner „85th Anniversary Tour“ ist John Mayall auch zweimal bei uns zu Gast. Das Konzert am 20. März im Wiener Porgy & Bess ist restlos ausverkauft, für den Auftritt am 21. März im Grazer Orpheum gibt es noch Karten unter www.oeticket.com.

Robert Fröwein
Robert Fröwein
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