07.06.2004 10:50 |

Kein Sex für George

Riesenschildkröte George will keinen Sex

Der "einsame George" sucht leider nicht nach einer Sexpartnerin. Die Wissenschaftler rund um den Globus, die die Galapagos-Schildkröte vor dem ewigen Ende retten wollen, tun es für George. Doch der letzte Verbliebene seiner Art, Geochelone nigra abingdoni, scheint am anderen Geschlecht überhaupt kein Interesse zu haben, berichten Forscher im Wissenschaftsmagazin „Nature“.
George wurde 1971 entdeckt, nachdem Wissenschaftlermeinten, diese Spezies sei längst ausgestorben. Bisher scheitertensämtliche Versuche, George mit anderen Galapagos-Riesenschildkrötenzum Paaren zu bringen. Nun wollen die Experten Galapagos-Schildkrötenvon anderen weit entfernten Inseln zu George bringen, da sie vermuten,dass die bisherigen Versuche George zum Sex zu überredeneinfach an der zu weiten Verwandtschaft scheiterten.
 
Nur noch elf Tiere dieser Art
Die Galapagos Inseln, heute zu Ecuador gehörend,waren bei ihrer Entdeckung 1535 von mindestens 15 unterschiedlichenRiesenschildkröten-Populationen besiedelt. Auf jeder dieserInseln hatten sich diese Populationen ganz unterschiedlich voneinanderentwickelt. Einen genetischen Austausch hat es wegen der unüberwindlichenBarriere nicht mehr gegeben. Erst mit der Besiedlung durch dieMenschen und damit dem Ansiedeln von Haustieren und auch Rattenist die Zahl der Riesenschildkröten rapide nach unten gegangen.
 
Derzeit gibt es nur noch elf dieser Schildkröten,die auf der roten Liste der gefährdeten Arten der World ConservationUnion eingetragen sind. George lebt in Puerto Ayora auf der InselSanta Cruz bei der Charles Darwin Research Station (CDRS). Zuden vordringlichsten Aufgaben der Wissenschaftler dieser Stationgehört die Wiederbesiedlung der Insel Pinta mit Riesenschildkröten,geplant waren dabei die Nachkommen von George.
 
Mit Treibgut auf Reisen
Erst in den 90er Jahren hatten Wissenschaftler dieDNA der verschiedenen Subspezies der Riesenschildkröten miteinanderverglichen. Damals sind sie zum Schluss gekommen, dass Georgesnächste Verwandtschaft mehr als 300 Kilometer von seinerursprünglichen Heimat entfernt liegt. Die Wissenschaftlerstaunten nicht schlecht, denn die Riesenschildkröten könnennicht schwimmen und haben möglicherweise mit Treibgut dielange Reise vollbracht. Darin dürfte auch der Grund fürGeorges Desinteresse an den bisherigen Schildkröten-Damenliegen. Die Forscher geben ihre Hoffnung aber nicht ganz auf,denn es gibt immer noch sehr viele private Tierfreunde, die Galapagos-Schildkrötenhalten, deren Subspezies Typ bisher nicht bekannt war.
 
Die CDRS verfolgt bei der Wiederaussetzung von Riesenschildkrötendas Ziel möglichst nach Subspezies geordnet nachzuzüchten.Damit sollen unnatürliche Kreuzungen vermieden werden. Dashat der Forschungsstation zum Teil heftige Kritik seitens desGalapagos National Park Service eingebracht. Seit 1975 haben CDRS-Forschermehr als 1.200 Schildkröten auf der Insel Espanola ausgesetzt.Erste Erfolge stellten sich etwa 15 Jahre danach ein. Daher sinddie Wissenschaftler auch zuversichtlich ein passendes Weibchenfür George zu finden. Schließlich hat er die ersten100 Lebensjahre noch nicht vollendet und er hat damit mindestensnoch weitere 100 Jahre vor sich.
 
Quelle: pressetext.de
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