07.03.2019 06:45 |

Nach Neuper-Rückzug

Wie geht es mit dem Skifliegen am Kulm weiter?

Der Kulm. Das Skifliegen. Ein Mann. Hubert Neuper. All das war immer miteinander verbunden. Bis zuletzt. Neuper zog den Schlussstrich. Bei der WM in Seefeld platzte die Bombe - die wohl größte abseits des Dopingskandals. Ein steirisches Wahrzeichen „wackelt“.

Was passiert mit dem Skisprung-Event im obersteirischen Bad Mitterndorf ohne Hubert Neuper? Ohne jenen Mann, der bereits seit 1993 federführend bei zehn Weltcups und vier Weltmeisterschaften den Kulm ins Rampenlicht rückte?

„Man ist würdelos mit mir umgegangen“
„Ich will nicht mehr“, sagt Neuper unmissverständlich. Ein Rückzieher vom Rückzieher ist schwer vorstellbar. Dafür ist zwischen dem Veranstalter, dem Österreichischen Skiverband, und dem „ausführenden Arm“ Neuper zu viel passiert. Oder zu wenig. „Man ist würdelos mit mir umgegangen. Ich habe den Kontakt gesucht und keine Antwort gekriegt. Zuletzt hab’ ich 25.000 Euro aufgetrieben und ein Konzept für die Sommernutzung der Anlage erstellt. Und nichts vom ÖSV gehört.“

„Es geht nur mehr ums Geld“
Zu viel für den Zampano. „Es geht nur mehr ums Geld“, bemängelt der 58-Jährige, der schon oft mit dem Rückzug spekulierte. Gekürztes Budget, weniger Sponsoren, dazu ein Anti-Korruptions-Gesetz, das die VIPs abschreckt und dem Fliegerspektakel nach und nach die Flügel stutzte.

Außerdem soll die Rolle Neupers dem ÖSV zu große „Dimensionen“ angenommen haben. „Es soll sich zu sehr um meine Person gedreht haben. Dabei war der Kulm nie ich allein. Das alles hängt nicht von einer oder meiner Person ab.“

Ein neuer Macher muss her
Einen „starken Mann“ wird’s brauchen. 2020 soll das Fliegen von 17. bis 19. Jänner steigen. „Das wird klappen“, bricht Neuper trotzdem eine Lanze für den ÖSV. „Ich habe größten Respekt für die Herren Schröcksnadel oder Leistner. Die haben jahrelang bewiesen, dass man am Kulm großartige Events organisieren kann. Es wird sich schon jemand finden. Und man hat ja auch den Auftrag, den Kulm nicht untergehen zu lassen“

„Er hat die Emotion, wir die Haftung“
Was sagt der ÖSV? „Wir wollen keine Brücken abreißen“, schickt Generalsekretär Klaus Leistner voraus. „Wir werden weiter das Gespräch mit Hupo suchen. Er sieht das alles emotional. Am Ende ist es aber so: Er hat die Emotion, wir die Haftung!“, so Leistner.

Was der Jurist noch klarstellt: „Der ÖSV hat auch viel Herzblut in den Kulm investiert, wir wollen, dass das Event durchgeführt wird. Wie gesagt, wir werden mit Hupo reden, versuchen, gewisse Bereiche besser abzustimmen. Macht er trotzdem nicht weiter, brauchen wir einen Plan B.“

Ob im Jänner geflogen wird, kann Leistner nicht sagen. „Aber der Kulm ist im Kalender. Der ÖSV hat die Anlage zuletzt adaptiert und renoviert, wir sind also Betreiber und Errichter. Darum sind wir um eine Lösung bemüht. Aber es ist eine große Aufgabe. Auf lokaler Ebene brauchen wir Hilfe. Da braucht’s Leute, die willens sind, etwa um Sponsorpakete zu erwerben. Denn die Infrastruktur ist teuer. Da muss für uns halt auch finanziell was überbleiben, was wiederum in den Sport gesteckt werden kann.“

50-köpfiges Team stünde bereit
Vor Ort ist die Betroffenheit über Neupers Rückzug groß. Bürgermeister Klaus Neuper, ein Cousin von Hupo, verspricht aber, den Kulm nicht einfach sterben zu lassen. Und auch das 50-köpfige Team um Jürgen Winkler, sportlicher Leiter im OK-Team, stünde bereit.

Georg Kallinger
Georg Kallinger
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