17.02.2019 12:03 |

Schauspielhaus Graz:

Das Internet schläft im Ehebett

Das Internet lebt und sein Name ist Herr Kwant! In der bitterbösen Komödie „Die Mitwisser“ lässt der deutsche Dramatiker Philipp Löhle das personifizierte Internet in das Leben eines naiven Jedermanns einfallen. Aus dem digitalen Helfer wird langsam eine reale Bedrohung. Felicitas Braun inszeniert das Stück als österreichische Erstaufführung im Schauspielhaus Graz.

Die Vorstellung hat noch nicht einmal begonnen, da schlägt die Datenkrake zum ersten Mal zu - ganz analog: Ein Fragebogen wartet auf das Publikum, und weil man es so gewohnt ist, füllt man ihn aus. Im Stück verwendet werden die gesammelten Daten nicht, aber sie sind da, eingespeist in ominöse Netzwerke.

Personifiziertes Internet
Von diesen Netzwerken profitiert auch Theo (Clemens Maria Riegler), nachdem er sich mit dem kompetenten Herrn Kwant (Sarah Sophia Meyer) das personifizierte Internet ins Haus geholt hat. Im Nu hat Kwant ihm mit unendlichem Wissen das Leben optimiert: Job, Beziehung und Fitness - überall geht es bergauf. Kein Wunder, dass sich auch Theos Frau (Henriette Blumenau) und sein Chef (Fredrik Jan Hofmann) einen Herrn Kwant zulegen.

Doch bald wird Theo klar, er hätte die allgemeinen Geschäftsbedingungen genauer lesen sollen, denn Herr Kwant und seine Sippe schlafen nicht nur im Ehebett, sondern schicken sich auch an, die ganze Welt zu „kwantifizieren“ und den freien Willen des Menschen dabei wegzurationalisieren.

„Idiotie“ mit bitterbösem Humor
Mit bitterbösem Humor führt Löhle in seiner „Idiotie“, wie er das Stück nennt, vor, was das Internet mit uns gemacht hat: Kommunikation, körperliche Bedürfnisse und Wissensverwaltung - alles haben wir an Maschinen abgegeben und opfern unser Intimstes in Form von Daten am Altar der Bequemlichkeit.

Souveränes Ensemble
Absolut schlüssig packt Regisseurin Felicitas Braun den Stoff in eine retrofuturistische Schaumstoff-Idylle (Timo von Kriegstein), in der sich das souveräne Ensemble mit tollem Gespür für skurrilen Slapstick und tiefsitzende Pointen bewegt. Am Ende bleibt die Erkenntnis: Es ist naiv, sich eine Welt ohne Internet zu erträumen. Aber es ist auch eine Idiotie, das Internet so hinzunehmen wie es ist. Doch gibt es einen Ausweg aus dem ewigen Kreislauf der Virtualität? Oder loggt man sich am Ende nur wieder am Anfang ein?

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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