Do, 21. Februar 2019
12.02.2019 13:33

Künstliche Schwerkraft

Wiener Forscher planen Raumstation in Asteroid

Es klingt nach purer Science Fiction. Astrophysiker an der Universität Wien haben ernsthafte Berechnungen darüber angestellt, wie man eine Raumstation in einen Asteroiden einbauen könnte. Nach dem Abbau von Rohstoffen könnte man den ausgehöhlten Himmelskörper in Rotation versetzen und solcherart eine künstliche Schwerkraft erzeugen, so die Idee. Im Inneren des Asteroiden wären Astronauten zudem vor der gefährlichen kosmischen Strahlung geschützt, so die Forscher.

Auch wenn es noch viele Jahre dauern dürfte, bis man Mineralien auf Asteroiden abbauen wird können, existieren bereits Realisierungs- und Geschäftsmodelle für den Bergbau im Weltraum. Dabei geht es nicht nur darum, Rohstoffe abzubauen und zur Erde zu transportieren. Überlegt wird auch, das abgebaute Material direkt im Weltraum zu nutzen, etwa für längere Reisen bzw. Aufenthalte im All.

Thomas Maindl, Roman Miksch und Birgit Loibnegger vom Institut für Astrophysik der Universität Wien haben berechnet, welche Kräfte notwendig wären, um einen hypothetischen Asteroiden mit einer Größe von rund 500 mal 390 Meter künstlich in Rotation zu versetzen. Kosmische Brocken dieser Größenordnung gibt es durchaus in Erdnähe, als Beispiele nennen die Forscher etwa 3757 Anagolay, 99942 Apophis (der im April 2029 der Erde relativ nahe kommen wird) oder 3361 Orpheus mit Umlaufzeiten um die Sonne von knapp einem bis zu 2,5 Jahren. Das Problem ist, dass über die Zusammensetzung dieser Himmelskörper nicht viel bekannt ist.

Durch Rotation Schwerkraft wie auf dem Mars
Für ihre Berechnungen gingen die Wissenschaftler davon aus, dass in einen Asteroiden aus Silikatgestein ein Hohlraum von 200 mal 300 Metern Größe eingebaut wird. Um den Menschen in einer Raumstation eine Umgebung ohne negative gesundheitliche Auswirkungen durch die Schwerelosigkeit zu bieten, haben sie eine Schwerkraft wie jene am Mars angenommen - also etwa 38 Prozent von jener auf der Erde. Dazu müsste der Asteroid ein bis drei Mal pro Minute um seine Achse rotieren, berechneten die Forscher.

„Unsere Berechnungen zeigen, dass die Belastungen durch Fliehkräfte eine Raumstation in so einem Asteroiden möglich machen, ohne dass Spannungen zu einem Zerbrechen des Körpers führen“, erläutert Maindl. Für exaktere Aussagen über die Realisierbarkeit einer Raumstation im Inneren eines Asteroiden sei es allerdings notwendig, nicht nur die Zusammensetzung, sondern auch die interne Struktur des Asteroiden zu kennen. Für eine endgültige Entscheidung, ob sich ein Objekt für den Einbau einer Station eigne, müsse man wohl eine Mission dorthin starten, betonen die Forscher.

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