09.02.2019 06:00 |

Clemens J. Setz

Neue Erzählungen vom Grazer Literaturstar

Die fantastischen Abgründe des Alltags lotet der Grazer Literaturstar Clemens J. Setz seit seinem Debüt im Jahr 2007 mit Konsequenz und faszinierender Vielfältigkeit aus. Nach dem Mammut-Roman „Die Stunde zwischen Frau und Gitarre“ und dem Interview-Experiment „Bot“ legt er nun mit „Der Trost runder Dinge“ einen neuen Erzählband mit Suchtfaktor vor.

Wer sich einmal in die Erzählwelten von Clemens J. Setz verliebt hat, der kommt kaum noch davon los. Kein anderer aktueller deutschsprachiger Autor versteht es derart geschickt, die Grenze zwischen den banalen Realitäten des Alltags und der skurrilen Welt der Fantastik zu verwischen. So auch in seinem neuen Erzählband „Der Trost runder Dinge“.

Der Mensch ist auch nur ein Ding
Schon der Titel ist ein Spiel mit einer Eigenheit der Setz’schen Prosa: Denn mit der Trennung von Mensch und Ding nimmt es der Grazer nicht so eng: Die Beziehung zu einem Getränkeautomaten kann sich bei ihm genauso real anfühlen, wie jene zu einer Frau. Dafür agieren Menschen bei ihm mitunter so gefühllos wie Maschinen - etwa wenn eine Mutter in der Geschichte „Zauberer“ plant, vor den Augen ihres querschnittgelähmten Sohnes Sex mit einem Callboy zu haben.

Die schwierige Beziehung zwischen Eltern und Kindern ist ohnehin ein zentrales Thema, an dem sich Setz seit seinem Debüt „Söhne und Planeten“ konstant abarbeitet. Ebenso beschäftigt ihn stets der Einfluss digitaler Technologien auf unser Leben. Was man bei ihm jedoch stets vergeblich sucht, ist die moralische Keule - viel lieber stellt er die Moral an und für sich mit skurrilen Gedanken in Frage.

Verspielter Umgang mit Sprache
Sprachlich ist Setz dabei stets für Experimente gut: So lässt er in „Spam“ etwa ein automatisiertes Übersetzungsprogramm einen Brief versenden, der trotz der mitunter brüllend komischen Sprachblüten eine ganz reale Gefahr ausstrahlt.

Das Resultat ist ein typisch Setz’scher Erzählband - sprich: Wer es versteht, sich darauf einzulassen, wird mit Literatur belohnt, die süchtig macht.

Clemens J. Setz, „Der Trost runder Dinge“ (Suhrkamp, 320 Seiten, 24,70 Euro) Am 7. März liest er im Literaturhaus Graz.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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