02.02.2019 23:30 |

Kampf gegen Engpass

Immer weniger Ärzte für mehr Patienten

Wer hat nicht schon einmal stundenlang auf harten Ordinationsbänken ausgeharrt? Viele Hausärzte kämpfen auch in Salzburg mit grenzenloser Überlastung. Gemeinden suchen zum Teil lange einen medizinischen Nachfolger im Ort. Beispiele gibt es genug: Großarl, wo man sogar bis nach Wien warb, um junge Mediziner für einen Skiort mit hoher Lebensqualität zu gewinnen. Mit Dr. Matvei Bredikhin übernahm ein gebürtiger Russe die zweite Stelle im Ort. Schwierig war die Suche auch in Mühlbach am Hochkönig. In Lofer ging ein Nachfolger nach kurzer Zeit ins Spital.

Hausarzt sein - ja, aber nicht bis zum Umfallen


Junge Mediziner wollen sich mit dem fordernden Beruf nicht kaputt machen. Mit Strukturreformen versuchte man ihnen in Salzburg schon entgegen zu kommen. Der 2015 eingeführte Telefondienst ab 23 Uhr im ganzen Land entlastet die Mediziner in der Nacht. Die Gebietskrankenkasse unterstützt Modelle wie Gruppenpraxen, die den Salzburger Ärzten auch früher undenkbare Zusammenarbeit ermöglichen. Das soll zeitliche Flexibilität bringen und auch den Trend „mehr privat, weniger Kasse“ bremsen. Mediziner sehen oft in einer Wahlarztpraxis die einzige Möglichkeit, für Patienten sind die Leistungen dann aber oft sündteuer.

Vorzeichen des Ärztemangels seien schon seit fast zehn Jahren spürbar, heißt es bei der GKK. Damals wurde die Salzburger Landarztstudie erstellt. Mit der Initiative Allgemeinmedizin war Salzburg Vorreiter bei den Lehrpraxen. Viele Ärzte schätzen die Ausbildung für Allgemeinmedizin nach wie vor als mangelhaft ein. Während des Studiums sollten vermehrt Anreize geschaffen werden. „Die Lehrarztpraxis ist erst ein Anfang“, meint auch der neue Thumersbacher Arzt Fidelius Krammel. Früher war jeder dritte Mediziner in Österreich Hausarzt, jetzt ist es nur noch jeder zwölfte.

Auch Fachärzte sind am Land nicht einfach zu finden: Fächer wie Physikalmedizin oder Psychiatrie gehören zu den „Sorgenkindern“. Die Radiologie steht im Pinzgau schon lange zur Diskussion.

Pensionierungswelle verschärft Situation


Verschärft wird die Situation durch Pensionierungen: Rund jeder zweite niedergelassene Arzt wird in den nächsten Jahren ausscheiden. Ein Modell, das Nachfolgern hilft, ist die „Übergabe-Praxis“, wo sie schrittweise in den Ordinationsbetrieb hineinwachsen können.

 krone.at
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Sabine Salzmann
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