24.02.2010 14:38 |

Scorsese & DiCaprio

"Shutter Island": Der nächste Streich des Dream-Teams

Im Film "Shutter Island" liefert sich Leonardo DiCaprio erneut mit Haut und Haar seinem seine Karriere definierenden Lieblingsregisseur Martin Scorsese aus. Ein düsterer, atmosphärisch dichter Verschwörungsthriller, der die Spannungsschraube brillant anzieht.

Männer in beigen Mänteln. Graubraune Hüte über ernsten Mienen. Und sintflutartige Regenfälle. Was nach nicht zu überbietbarer Eintönigkeit klingt, ist das Gegenteil davon. Denn die Gesichter unter den steifen Hutkrempen gehören zu den leistungsstärksten Charakterköpfen Hollywoods, wie etwa jenes von Leonardo DiCaprio, der in "Shutter  Island" ein Starensemble anführt, zu dem unter anderem Sir Ben Kingsley, Max von Sydow und Mark Ruffalo zählen.

Dass auch noch DiCaprios Mentor, der Kult-Regisseur und Oscar-Preisträger Martin Scorsese Regie führte - basierend auf einer Vorlage von Krimi-Autor Dennis Lehane, dessen Roman "Mystic River" den fesselnden Stoff zu Clint Eastwoods Oscar-preisgekröntem Drama liefern sollte -, ist alles in allem Garant für einen Mystery-Thriller der Sonderklasse, der ganz im Stil von Edgar Allan Poe die Spannungsschraube gnadenlos anzieht und uns auf ein von stürmischer See umtostes Eiland entführt.

Mörderin verschwindet spurlos
Auf dem Höhepunkt der Paranoia des Kalten Krieges, im Jahr 1954, geht der US-Marshal Teddy Daniels – DiCaprio - gemeinsam mit seinem Partner Chuck Aule - Mark Ruffalo - einem brisanten Fall nach. Auf Shutter Island, einer der Bostoner Küste vorgelagerten Hochsicherheitsinsel im eiskalten Atlantik, einem schaurigen Ort für geisteskranke Kriminelle, ist eine Kindsmörderin - gespielt in einem Doppelpart von Patricia Clarkson ("Pieces of April") und Emily Mortimer ("Match Point") - spurlos verschwunden. Es ist, als sei die Frau durch Wände gegangen, denn das Ashecliffe Hospital für geistig abnorme Straftäter gleicht einer Festung.

Schon bald glaubt Teddy Daniels zu wissen, dass die Anstaltsleitung Schwerwiegendes verbirgt. Es verdichten sich Hinweise, dass in den geheimen Klinikstationen der Anstalt illegale und folterartig experimentell-operative Behandlungsmethoden an den Insassen vollzogen werden - Auswüchse eines  kafkaesken Systems, das Patienten zur Kontrolle des aus der Balance geratenen Geistes brutal therapiert.

Als ein verheerender Hurrikan aufzieht und die Verbindung zum Festland kappt, stürzt Shutter Island ins Chaos. Daniels' Recherche gerät mit einem Mal zu seinem ganz privaten Albtraum, der ihn zwischen Wahnsinn, Wahrheit und Wahnvorstellungen oszillieren lässt, bis zum bitteren Ende. Würde er diese Horror-Insel je wieder verlassen?

Scorsese streut DiCaprio Rosen
Regisseur Martin Scorsese, der sich auf Grund der düsteren Thematik obskurer Heilanstalten nicht von ungefähr an den frühen deutschen Film "Das Cabinet des Dr. Caligari" (1920) erinnert fühlte, zeigte sich von den neuerlichen Dreharbeiten mit Leonardo DiCaprio begeistert. Scorsese: "Nachdem ich mit Leo bereits in 'Gangs Of New York', 'Aviator' und 'The Departed' zusammengearbeitet hatte, war mir sofort klar, dass er auch die Rolle des cleveren US-Marshals spielen sollte. Als Künstler und Star besitzt er mein ganzes Vertrauen. Er verfügt über ein unheimliches Gespür, Emotionen wie Wut, Angst und Schmerz sichtbar zu machen. Je älter er wird, desto tiefgründiger wird sein darstellerisches Potential."

Umgekehrt streut DiCaprio seinem Mentor Rosen: "Scorsese ist ein meisterlicher Filmemacher. Er weiß um die Facetten der menschlichen Psyche und wie man sie abbildet, lässt seinen Schauspielern dabei aber die größtmögliche Freiheit."

Die Dreharbeiten zu "Shutter Island" hat DiCaprio als sehr nasskalte Erinnerung abgespeichert: "Wenn nicht gerade ein Kran oder eine Sprinkleranlage Tausende Liter Wasser auf dich herabprasseln ließ, taten das irgendwelche Kerle mit Feuerwehrschläuchen und ein riesiger Ventilator blies dir mit Sturmstärke 5 ins Gesicht. So dauerhaft nass wurde ich nicht einmal in 'Titanic'!"

von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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