Do, 21. Februar 2019
15.01.2019 07:26

60 Personen gerettet

Hotel in Ramsau am Dachstein von Lawine getroffen

Eine Lawine hat in der Nacht auf Dienstag zwei Beherbergungsbetriebe im obersteirischen Ramsau erfasst, ein Apartmenthaus und den Kirchenwirt Pehab. In beiden Objekten befanden sich entgegen ersten Meldungen rund 60 Gäste, sie wurden unverletzt in umliegende Beherbergungsbetriebe gebracht. Laut Einsatzkräften könnte eine weitere Lawine abgehen.

Die Lawine ging gegen 1 Uhr nachts ab. Sie löste sich im Bereich Eiskar auf einer Höhe von etwa 2600 Metern und erreichte nach etwa 1400 Höhenmetern den Ortskern von Ramsau. Beim Hotel und Restaurant wurden zahlreiche Fenster zerstört und Räume mit Schnee vollgefüllt. Unweit des Gastronomiebetriebs stehen das Gemeindeamt von Ramsau, der Stützpunkt der Bergrettung sowie das evangelische Pfarramt. 

Danach lief ein Rettungseinsatz an, um sicherzugehen, dass sich tatsächlich niemand mehr in dem Bereich aufhielt. Häuser, die oberhalb des Hotels stehen, wurden ebenfalls durchsucht. Fünf Suchhunde der Bergrettung suchten den Lawinenkegel ab: Am Dienstagmorgen wurde schließlich Entwarnung gegeben, laut Landeswarnzentrale wurde niemand gefunden.

Ein großes Glück dürfte es gewesen, dass die Lawine wegen des langen Kegels - der Trasse des Klang- oder auch Eiskarlifts - keine allzu große Kraft mehr hatte und in den Ausläufern der sehr flachen Piste zum Stehen kam. Der Schlepplift war bereits gesperrt gewesen, er bringt Gäste aber normalerweise von 1140 auf 1280 Meter Seehöhe. Auch die entsprechende Piste - Kategorie blau für leichtes Gelände - war nicht geöffnet. Das Gebiet war bereits als lawinengefährdet bekannt und wird in den Karten mit roter und gelber Gefahrenzone dargestellt. Letztere reicht bis zum nun betroffenen Hotel.

Laut Polizei wurden auch mehrere abgestellte Autos von der Lawine erfasst und weitergeschoben. Die Druckwelle schleuderte zudem einen Bus in den Dorfpark. Das Rote Kreuz war mit 18 Fahrzeugen, 50 Rettungssanitätern und zwei Notärzten sowie Mitgliedern des Kriseninterventionsteams im Großeinsatz. Bereits in den Abendstunden war es in Ramsau zu einem Lawinenabgang gekommen, der eine Mautstraße verschüttete und Häuser von der Außenwelt abschnitt.

In Ramsau bleiben am Dienstag auf Anordnung des Bürgermeisters die Volksschule und der Kindergarten geschlossen. Zusätzlich wurde eine amtliche Mitteilung verfasst, dass für die Ausläufer der bekannten Lawinenstriche der Aufenthalt im Freien abseits der gesicherten Zufahrtsstraßen zu vermeiden ist. Ein Pionierzug des Militärkommandos Steiermark mit 32 Soldaten ist im Anmarsch und soll ab Mittag gefährdete Gebäude sichern, weitere Bundesheerkräfte könnten noch angefordert werden.

Heuer bereits zehn Todesopfer durch Lawinen
In den vergangenen Tagen hatte es bereits zehn Todesopfer infolge von Lawinen in Österreich gegeben. „Niemand kann derzeit sagen, er wisse nicht von der Lawinengefahr. So blind kann man nicht durch die Welt gehen“, brachte es Stefan Hochstaffl, Präsident der Österreichischen Bergrettung, gegenüber der „Krone“ auf den Punkt.

Und doch: Auf der Suche nach dem ultimativen Kick werden immer wieder Warnungen überhört und sogar Absperrungen überwunden. Im schlimmsten Fall wird das Abenteuer mit dem Leben bezahlt - und Bergretter werden in Gefahr gebracht.

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