Mo, 21. Jänner 2019

Hohentauern erreicht

10.01.2019 18:00

Das große Aufatmen: Vorräte sind im Sperrgebiet

Der Durchbruch! Am Donnerstagnachmittag konnte mit Hohentauern einer der abgeschlossenen Ort erreicht werden. Ein Bundesheer-Fahrzeug nahm einen enormen Umweg in Kauf, um den Betroffenen Lebensmittel bringen zu können. Und am Freitag herrscht dank einem Wetterfenster dichter Flugverkehr über der Obersteiermark.

In der Früh informierte Landeshauptmann-Stellvertreter Michael Schickhofer in der Landeswarnzentrale noch über aktuelle Situation, am Nachmittag befand er sich mitten im Sperrgebiet. Nach reiflicher Überlegung wurde ein Bundesheer-Lkw „geländefit“ gemacht, mit dem der Durchbruch gelang. Donnerstagnachmittag konnten zahlreiche Lebensmittel und 4000 Liter Diesel in die abgeschnittene Gemeinde gebracht werden.

„Der Zusammenhalt in der Bevölkerung ist unglaublich groß“, staunte Schickhofer, der live vor Ort war, nicht schlecht. Ebenso besprochen wurden die weitere Vorgehensweise für Hohentauern: So wird am Freitag eine geordnete Abreise der Gäste, die abreisen möchten, über eine intensiv beobachtete Route stattfinden.

Nicht die einzige gute Nachricht für die eingeschneite Obersteiermark: Bei einem für Freitag prognostiziertem Wetterfenster werden die Kräfte gebündelt, in Summe acht bis zehn Hubschrauber werden jede Minute ausnutzen, um Erkundungs- und Versorgungsflüge durchzuführen.

Am Sonntag spitzt sich Lage wieder zu
Denn: Die Zeit ist knapp. Schon Freitagnachmittag geht das Fenster wieder zu, ehe sich am Sonntag die Lage weiter zuspitzt. „Wir haben jüngst in 48 Stunden über einen Meter Neuschnee gehabt, und eine ähnliche Menge wird es dann in den betroffenen Regionen auch wieder von Sonntag bis Dienstag geben. Erst ab Mittwoch sollte es von der Tendenz her besser werden“, prognostiziert ZAMG-Meteorologe Christian Pehsl.

Spannend wird der Freitag auch für die Lawinenkommissionen, da die Situation bisher nicht bewertet werden konnte. „Wir wissen nicht, ob große Lawinen abgegangen sind, das wissen wir erst nach den Erkundungsflügen. Aber: Jeder Schnee, der dazukommt, ist zu viel“, so Alexander Podesser (ZAMG).

Geplant sind am Freitag 35 Erkundungsflüge und Sprengungen, über 2200 Menschen sind noch von der Außenwelt abgeschnitten.

Baum stürzte auf Stromleitung
Die Schneelast auf den Stromleitungen wird auch immer mehr zum Problem: So ist eine zentrale Hochspannungsleitung im Ennstal Donnerstagnachmittag vermutlich durch mehrere umgestürzte Bäume zerstört worden, teilte die Energie Steiermark mit. Es handelt sich um eine 110-kV-Leitung im Bereich zwischen Hall und Admont (Bezirk Liezen). Um den genauen Umfang der Schäden festzustellen, startete ein Erkundungsflug mit einem Hubschrauber des Bundesheeres von der Kaserne in Aigen.

Der raschen Reaktion der Mitarbeiter der Energienetze Steiermark und der Energie Steiermark ist es zu verdanken, dass es zu keinem großflächigen Stromausfall gekommen ist: Im Moment können die Bewohner des Ennstales durch eine Alternativ-Einspeisung aus dem Umspannwerk Weißenbach bei Liezen versorgt werden", sagte Konzernsprecher Urs Harnik-Lauris von der Energie Steiermark. Die Reparaturarbeiten werden mehrere Tage dauern.

Dächer freimachen, ehe neue Last kommt
Um den erneuten Einsatz von Muskelkraft bittet ZAMG-Meteorologe Alexander Podesser: „Gerade im Ausseerland sind wir schon jetzt bei 50 bis 75 Prozent der zulässigen Dachlast. Nachdem hier sicher noch mehr Niederschlag hinzukommt, sollte man diese zuvor befreien.“

Neun Schulen geschlossen
Sieben Volksschulen (Weißenbach, Landl, Rohrmoos-Untertal, Nikolai/Sölktal, Gams, Wildalm, Knoppen/Hinterbergtal) bleiben auch am Freitag zu. Die HAK Liezen und das Stiftsgymnasium Admont nehmen den Schulbetrieb voraussichtlich am Montag wieder auf.

Die Straßensperren nehmen zu
Weitere Straßensperren wurden am Donnerstag ausgerufen: Die B 25 wurde auf zwei Kilometer zwischen Mooslandl und Gams gesperrt und die B 146 zwischen dem Kreisverkehr in Liezen und der Autobahnauffahrt (A 9) Ardning. Auch die Gemeindestraße Mödringerbrücke ist zu.

ÖBB kämpft auch mit Schnee
Beschwerlich sind seit Tagen auch so manche Reisen wegen gesperrter Zugstrecken. Die ÖBB fasste am Donnerstag die Einschränkungen für die Steiermark zusammen: Der Fernverkehr zwischen Salzburg und Graz musste am Donnerstag zwischen Salzburg und Stainach-Irdning mit einem Schienenersatzverkehr geführt werden. Wegen der schlechten Witterung konnten zwischen Bischofshofen und Schladming Zugfahrten nur eingeschränkt erfolgen. Statt Nahverkehrszügen fuhr ein Schienenersatzverkehr mit Bussen. Fahrgäste mussten 30 Minuten mehr Reisezeit einplanen.

Wegen Lawinengefahr waren zwischen Stainach-Irdning und Schladming keine Fahrten möglich. Für die Fernverkehrszüge hat die ÖBB einen Schienenersatzverkehr zwischen Stainach-Irdning und Salzburg eingerichtet. Die Fernverkehrszüge von und nach Innsbruck wurden über Selzthal und Salzburg sowie Wörgl umgeleitet. Für die Nahverkehrszüge wurde ein Schienenersatzverkehr zwischen Stainach-Irdning und Öblarn eingerichtet. Aufgrund der Sperre der Ennstalbundesstraße (B320) musste der Schienenersatzverkehr aber über eine Umleitungsstrecke fahren. Passagiere hatten in diesem Bereich 120 Minuten mehr Reisezeit einzuplanen.

Zwischen Obertraun-Dachsteinhöhlen und Bad Aussee waren ebenfalls keine Fahrten möglich. Ein Schienenersatzverkehr über die Koppenstraße war wegen des Schnees aber vorerst nicht möglich. Daher wurde ein Schienenersatzverkehr zwischen Steeg-Gosau über Bad Aussee nach Stainach-Irdning über die Salzkammergut Bundesstraße (B145) eingerichtet. Fahrgäste waren etwa 60 Minuten länger unterwegs. Zusätzlich wurde zwischen Bad Aussee und Stainach-Irdning ein Zug-Sonderverkehr eingerichtet. Zwischen Trieben und Mautern waren Zugfahrten am Donnerstag ebenfalls nur eingeschränkt möglich, hieß es in einer Aussendung der ÖBB.

Alexander Petritsch
Alexander Petritsch

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