10.01.2019 08:00 |

Wucher-Prozess

Schlüsseldienst mit bis zu 1196 Euro pro Stunde

Horrorpreise bei Schlüsseldiensten wurden in jüngster Zeit in Tirol immer wieder angezeigt, das bewiesen auch Polizei-Pressemeldungen. Was ein 26-Jähriger verlangte, haute seine Kunden sprichwörtlich aus den Socken. Wegen Stundensätzen von bis zu 1196 € stand der Deutsche nun wegen Sachwuchers am Landesgericht.

Wenn sich jemand versehentlich aussperrt, ist der Ärger ohnehin groß. Wer dann im Internet auf besagten Schlüsseldienst stieß, der bekam Besuch vom Angeklagten. „Ich war zwar selbstständig, doch die Aufträge bekam ich von meiner Zentrale, an die ich 70 Prozent abliefern musste“, schilderte der 26-Jährige.

Ohne vorherige Aufklärung über die Entgelte machte er sich an die Arbeit – und kassierte dann gnadenlos ab. Sieben Minuten Arbeit in einem leicht zu behebenden Fall kosteten einer älteren Dame 497 Euro. „Eine einheimische Firma hätte für diese Leistung 88 Euro verlangt“, ließ der Staatsanwalt erheben.

300 Euro für ein minderwertiges neues Schloss
In einem anderen Fall in Imst stand eine Mutter mit drei Kindern vor der versperrten Tür, wo der Schlüssel innen steckte. „Ich musste weinen, als mir der Angeklagte danach den Preis von mehr als 900 Euro sagte“, schilderte die Zeugin. Den Wert eines angeblichen Sicherheitsschlosses, für das der Angeklagte von der Oberländerin 300 € verlangt hatte, bezifferte eine örtliche Firma mit 10 €.

Beim Prozess konnte der Deutsche Rechnungspositionen wie „fallspezifischer Einsatzwert“ nicht erklären. Er musste einräumen, dass die Preise häufig durch „Gefühl“ entstanden seien. Dazu passend ist schon morgen ein weiterer Schlüsseldienst-Einzelunternehmer angeklagt, der bei den Ermittlungen zugegeben hatte: Bei noblen Häusern habe er mehr verlangt.

„Entgelte waren jenseits von Gut und Böse“
Zurück zum Prozess am Mittwoch: Richter Norbert Hofer verhängte für den bisher Unbescholtenen wegen Sachwuchers 600 € Geldstrafe. „Sie haben Entgelte jenseits von Gut und Böse verrechnet“, lautete die Begründung. Der Richter fügte hinzu, dass auch die bisher nicht greifbaren Hintermänner der Schlüsseldienst-Vermittlungsplattform auf die Anklagebank gehören würden. Österreichweit sind rund 200 Opfer bekannt, allein am Landesgericht sind es bis zu 15.

Andreas Moser
Andreas Moser
Kommentare
Eingeloggt als 
Nicht der richtige User? Logout

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung.

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Angreifer auf Flucht
Wiener bei Messerattacke in Baden verletzt
Niederösterreich
Casillas entzückt
Mit dem Fuß! So malt er Superstar Neymar
Fußball International
Tirol Wetter
13° / 27°
heiter
10° / 27°
heiter
11° / 25°
heiter
12° / 27°
heiter
12° / 27°
einzelne Regenschauer

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Newsletter