Mi, 16. Jänner 2019

Prozess: Mordversuch

09.01.2019 13:29

Mit abgebrochener Bierflasche zugestochen

Ein 19-Jähriger hat sich am Mittwoch bei einem Prozess am Landesgericht Salzburg wegen versuchten Mordes und versuchter absichtlich schwerer Körperverletzung verantworten müssen. Der Afghane soll einem Landsmann beim Mirabellplatz in Salzburg mit einer abgebrochenen Bierflasche in den Hals und Nacken gestochen haben. Der Angeklagte sprach von Notwehr, weil er attackiert worden sei.

  Zu dem Vorfall kam es am 30. Juni 2018 um 5.30 Uhr am Rosenhügel. Laut Staatsanwalt Leon-Atris Karisch waren die Stichverletzungen, die ein Afghane erlitten hatte, „potenziell lebensgefährlich“. Der Beschuldigte habe zuvor mit anderen Männern reichlich Alkohol konsumiert und sei dann mit dem späteren Opfer in Streit geraten. Einem Freund des Angeklagten sei es gelungen, die beiden zu trennen und vom Rosenhügel wegzuführen.

  Der 19-Jährige kehrte allerdings mit zwei Bierflaschen in der Hand zurück. „Er schlug dem Mann von hinten eine Bierflasche auf dem Kopf. Als dieser sich umdrehte, stach er ihm eine abgebrochene Bierflasche in den Hals.“ Die Schnitte mussten genäht werden. Der Hals- und Nackenbereich sei sehr sensibel, gab der Staatsanwalt zu bedenken. Der Angeklagte habe es für möglich gehalten, dass er das Opfer tödlich verletzt. Er habe auch noch einem weiteren Mann, der dem Verletzten helfen wollte, in den Rücken gestochen.

  Der beschuldigte Asylwerber sprach von einer Notwehrsituation. „Ich kann es nicht glauben, dass mir vorgeworfen wird, ich hätte jemanden töten wollen“, sagte er zur vorsitzenden Richterin des Geschworenengerichtes, Bettina Maxones-Kurkowski. Er sei damals zwar betrunken gewesen, „aber ich wusste, was ich tat“. Er habe sich mit fünf Männern gestritten, die seien dann auf ihn losgegangen. „Sie schlugen mich mit Fäusten und traten nach mir. Ich bin dann abgehauen. Aber ein Freund sagte zu mir, ‘du musst dich rächen und kämpfen, sonst sagen die anderen am nächsten Tag, dass du feige bist. Sie werden dich auslachen‘.“

  Er sei tatsächlich zurückgekehrt, allerdings nur, um mit den Männern zu reden, schilderte der 19-Jährige. Mit den Bierflaschen, die ihm sein Freund mitgegeben habe, habe er ihnen nur Angst machen wollen. „Als mich jemand von hinten schlug, fuchtelte ich mit der Flasche herum. Ich hatte aber nicht die Absicht, jemanden schwer zu verletzen.“ Das Tatgeschehen lasse nicht zwingend auf einen Vorsatz schließen, meinte Verteidiger Christian Schubert. Die fünf Belastungszeugen würden den Streit herunterspielen.

Der Angeklagte ist bereits zwei Mal vor Gericht gestanden, und zwar wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Nötigung, gefährlicher Drohung und Sachbeschädigung. Er wohnte zuletzt in einer Asylunterkunft in der Stadt Salzburg. Derzeit befindet er sich in Untersuchungshaft. Der Prozess wird laut Verhandlungsplan morgen, Donnerstag, und am Freitag fortgesetzt.

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