28.12.2018 10:55 |

„Darf nichts sagen“

Lokalaugenschein nach Mord in Tiroler Asylheim

Nach dem tödlichen Ehestreit in der Nacht auf den Stefanitag in einem Innsbrucker Asylquartier wurde am Donnerstag die Leiche des Opfers (23) obduziert. Die Annahmen der Ermittler wurden bestätigt: Reine Körpergewalt hat zum Tod der zweifachen Mutter geführt. Der Tatverdächtige (37) wurde in die Justizanstalt eingeliefert. Die „Tiroler Krone“ machte einen Lokalaugenschein im Flüchtlingsheim, in dem es zur Bluttat gekommen war. Darüber hinaus gibt es einen Schlagabtausch zwischen FPÖ und Grünen.

Am Donnerstagvormittag in der Innsbrucker Trientlgasse 2: Das Eingangstor zum Areal des Flüchtlingsheims steht zur Hälfte offen. Ein Asylwerber bricht mit seinem Sohn zu einem Spaziergang auf, ein anderer qualmt genüsslich eine Zigarette. Eine ältere Frau kehrt vom Einkaufen zurück. Quasi ein normaler Tag. Gar nichts zeugt von der abscheulichen Gewalttat, die sich im Quartier in der Nacht auf den Stefanitag zugetragen hat.

Betreuer: „Ich darf nichts sagen“
Ein Security schickt das „Krone“-Team zum diensthabenden Betreuer. Im Haus treffen wir auf diesen. Man sieht ihm an, dass ihm etwas auf dem Herzen liegt, dass ihm die Tragödie sehr nahegeht. Aber er winkt gleich ab: „Ich darf nichts sagen.“

In der Unterkunft hat sich freilich längst herumgesprochen, dass ein syrischer Bewohner (37) seine 23-jährige Ehefrau zu Tode geprügelt haben soll. Als wäre dies nicht schon tragisch genug, stehen nun zwei Kinder (vier und sechs Jahre) ohne Mutter da. Um das Mädchen und den Buben kümmert sich die Kinder- und Jugendhilfe.

Massive Körpergewalt
Die Obduktion der Leiche bestätigte die Annahme der Ermittler. „Massive Körpergewalt gegen den Kopf und den Oberkörper haben letztlich zum Tod der Frau geführt“, sagt Katja Tersch vom Landeskriminalamt Tirol. Die Einvernahmen des Verdächtigen sind abgeschlossen. Motiv war Eifersucht. Der 37-Jährige sei geständig und wurde bereits in die Justizanstalt eingeliefert. Über die Verhängung der U-Haft wird noch am Freitag entschieden.

Vonseiten der Tiroler Sozialen Dienste (TSD), die das Heim in der Trientlgasse betreiben, war am Donnerstag niemand zu erreichen. Zumindest nicht über die offizielle Kontaktnummer, die auf der Homepage aufscheint.

Grüne: „Hätte überall passieren können“
Tief betroffen zeigte sich aber die zuständige Soziallandesrätin Gabriele Fischer von den Grünen: „Es ist tragisch, zwei kleine Kinder haben ihre Mutter verloren.“ Eine Debatte über zu wenig Sicherheit in den Tiroler Asylquartieren will Fischer erst gar nicht aufkommen lassen. „Es war eine reine Beziehungstat, die überall passieren hätte können.“ Die Soziallandesrätin ergänzt: „In jeder fünften Familie passiert Gewalt. Dieser tödliche Ehestreit zeigt uns erneut, dass wir bei der Gewaltprävention noch sehr viel Handlungsbedarf haben.“

FPÖ: „Das ist so nicht hinnehmbar“
Kritik erntet Fischer vonseiten der Tiroler Freiheitlichen. „Wenn die Landesrätin das schreckliche Phänomen häuslicher Gewalt mit der jüngsten tödlichen Attacke in einer Innsbrucker Asyleinrichtung vergleicht, dann ist das so nicht hinnehmbar“, betont Tirols FP-Chef Markus Abwerzger, der festhält, dass jegliche Gewalt gegenüber Frauen verhindert bzw. scharf geahndet werden müsse.

„Faktum ist, dass es leider das Phänomen der importierten Gewalt gibt. Dieses jüngste Gewaltverbrechen darf nicht verharmlost werden, denn nicht jede fünfte Frau, die - statistisch bewiesen - Opfer häuslicher Gewalt wird, wird Opfer eines Mordes“, sagt Abwerzger.

Hubert Rauth
Hubert Rauth
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