Do, 24. Jänner 2019

Obus-Fahrer klagen:

20.12.2018 11:41

„Obus-Krise kann jeden Tag wieder ausbrechen“

Salzburg-AG-Vorstand Leonhard Schitter erklärte Anfang des Monats die Obus-Krise vom vergangenen Herbst offiziell für beendet. Bei der „Krone“ melden sich nun Obus-Fahrer, die ein anderes Bild schildern. Ihrer Ansicht nach liegt weiterhin Vieles im Argen, was die Konzernzentrale freilich ganz anders sieht.

„Von wegen, es passt wieder alles. Die Krise kann jeden Tag wieder aufs Neue ausbrechen“, schildert ein Obus-Fahrer, der anonym bleiben möchte, der „Krone“. Angesichts der insgesamt 180.000 Euro Bonus, die auch für dieses Jahr wieder an den Vorstand fließen sollen – siehe Artikel unten –, platzt den Mitarbeitern der Kragen. Die Dinge würden schön geredet, während die Realität eine andere sei. Das sind die Vorwürfe der Obus-Fahrer:

Zu wenig Personal: Vorstandssprecher Leonhard Schitter, der wegen der Krise den Bereich Verkehr an sich gezogen hat, sicherte zu, dass die Zahl der Fahrer auf 280 aufgestockt wird – 30 sollen damit zusätzlich kommen. Derzeit sei nur die Hälfte des zusätzlichen Personals in Ausbildung. „Es dauert bis Anfang März, bis die Leute dann voll einsatzfähig sind. Und erfahrungsgemäß bleibt nur ein Drittel der Neueinstieger langfristig erhalten“, so die Mitarbeiter. Gleichzeitig würden alleine Ende Dezember acht Fahrer in Pension gehen.

Rostlauben: Großes Problem war der Rost, den die Obusse angesetzt hatten, weil der Unterboden nie vom Salz gereinigt worden war. Die Busfahrer dazu: „Das passiert auch weiterhin nicht. Es gäbe die Möglichkeit, das händisch zu machen, aber dazu fehlt einfach das Personal.“

Pannen-Obusse:15 neue Fahrzeuge wurden bestellt. „Die Lieferzeit beträgt aber 16 Monate.“ Zusätzlich weisen die Fahrer darauf hin, dass die Solaris-Busse, die derzeit das Rückgrat der Flott bilden, polnische Fabrikate mit slowakischer Elektronik sind. „Da mussten schon Techniker aus dem Ausland kommen.“ Ein 25-Meter-Obus hätte nur 14 Tage durchgehalten, bevor er wegen eines Elektronik-Problems stand.

Familienfeindlich: Und die Fahrer klagen weiterhin über die Arbeitsbedingungen und -zeiten. „Es kann passieren, dass wir am Montag um fünf Uhr früh aus dem Haus gehen und unsere Kinder erst am Freitagabend wieder sehen.“

Konzernleitung sieht Obus voll auf Schiene

Die „Krone“ konfrontierte Salzburg-AG-Sprecherin Daniela Kinz mit den Vorwürfen der Mitarbeiter. Sie sieht das etwas anders: „Alle beschlossenen Sofortmaßnahmen sind umgesetzt oder gerade in Umsetzung.“ Verantwortlich dafür sei die Task Force „#vorwärts-Verkehr“, die Schitter einrichten ließ. „Unser Ziel war es, bis Mitte Dezember wieder 100 Obusse einsatzbereit zu machen. Das wurde bereits erreicht.“ Dem Rost an den Obussen soll mit einer weiteren Waschanlage zu Leibe gerückt werden. Kinz: „Die Bestellung läuft bereits.“

Bis zum März sind 21 Fahrer „alleinfahrfähig“

Aktuell verfügt die Salzburg AG über 250 aktive Obus-Fahrer. Für den täglichen Linienbetrieb würden 184 Personen benötigt, so die Konzernsprecherin. 21 Fahrer seien derzeit in Ausbildung, bis März alle „alleinfahrfähig“, also voll einsatzbereit. „Und es gibt eine Warteliste“, betont Kinz. Zu den Arbeitszeiten existiere bereits ein mit dem Betriebsrat ausgehandeltes Paket.

Wolfgang Fürweger
Wolfgang Fürweger
 krone.at
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