13.12.2018 18:14 |

Erster Bericht ist da

Graz: So wird auf Pflegeskandal in Klinik reagiert

Nachdem Pflegekräfte Patienten der Alterspsychiatrie im LKH Graz-Südwest misshandelt hatten, setzte das Land eine Kommission ein. Diese präsentierte am Donnerstag den ersten Zwischenbericht: Es zeigt sich, dass noch ein weiter und schwieriger Weg zu gehen ist. So bereiten die Fixierung von Patienten und der Personalstand Sorgen. Es gibt aber auch positive Entwicklungen und Pläne.

Kurzer Rückblick: Im Juli wurde bekannt, dass vier Pflegekräfte in der ehemaligen Landesnervenklinik über Monate Patienten verbal und körperlich misshandelt hatten. Drei wurden entlassen bzw. gekündigt, eine Person wurde versetzt. Von „unfassbaren, inakzeptablen Zuständen“ spricht Gesundheitslandesrat Christopher Drexler auch heute noch.

Er hat von Anfang an Transparenz versprochen und im August eine siebenköpfige Kommission mit dem Grazer Altbürgermeister Alfred Stingl an der Spitze eingesetzt; primäres Ziel ist es, strukturelle Mängel aufzuzeigen. „Wir haben kritisch gearbeitet, alle vier Stationen besucht, auch mit Angehörigen stundenlang gesprochen“, sagt Stingl.

Fixierung bereitet Sorgen
Auch wenn noch zwei Gutachten fehlen und der Endbericht erst im April vorliegen soll, kristallisieren sich bereits Schwerpunkte heraus. So werden nach wie vor aggressive Patienten fixiert - eine Maßnahme, die nur als allerletztes Mittel eingesetzt werden soll. Eine Alternative wäre die Sitzwache, das ist die ständige Betreuung durch eine Pflegekraft - was aber mehr Personal benötigen würde.

„Eklatant überfordert“
Dies wäre ohnehin wichtig, sind die Mitarbeiter (85 Pflegekräfte, 18 Ärzte) doch, wie alle Seiten betonen, motiviert, aber teilweise „eklatant überfordert“.

Die Kommission regt weiters eine moderne Aus- und Weiterbildung des Personals an. Angehörigengespräche sollen standardisiert werden, Zwölf-Stunden-Dienste nicht mehr vorkommen.

Neuer Bettentrakt soll rasch kommen
Auch Volksanwalt Günther Kräuter, der sich mehrmals kritisch zur Abteilung geäußert hat, wurde der Zwischenbericht präsentiert. Er erkennt positive Entwicklungen (so gibt es ab 1. Jänner wieder eine Oberschwester), aber nach wie vor „Missstände“, gerade im baulichen Bereich. So sind noch immer Sechsbettzimmer ohne Sichtschutz in Betrieb. Die Spitalsgesellschaft KAGes will daher laut ihrem Aufsichtsratsvorsitzenden Günter Dörflinger ein Bauprojekt vorziehen: Geplant ist ein Bettentrakt in Holzbauweise, Details müssen aber erst festgelegt werden.

„Es braucht besondere Empathie“
Stingl hält abschließend fest: „Es braucht eine besondere Empathie der pflegenden Personen. In der Alterspsychiatrie sollen Menschen arbeiten, die Menschen gerne haben, gerade in ihren Nöten.“

Jakob Traby
Jakob Traby
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