Mo, 10. Dezember 2018

Tierschützer vs. Jäger

06.12.2018 09:21

Treibjagden: Gemetzel oder Notwendigkeit?

Man muss kein besonderer Tierfreund sein, um Treibjagden abzulehnen. Abseits des Tierschutzes geht es ja auch um eine Aushebelung des Eigentumsrechts, denn die Waidmänner dürfen Grund und Boden anderer Menschen betreten. „Gemetzel“, kritisieren die einen - „notwendige Bestandskontrolle“, meint die Gegenseite.

Für Tierfreunde sind die Videos, die derzeit im Internet kursieren, kaum zu ertragen. Jäger grenzen ein Feld ein, keiner käme an ihnen vorbei. Ein Hase schlägt verzweifelt Haken, rennt um sein Leben. Der Hund dahinter. Die Situation ist ausweglos. Schüsse. Der Hund bringt den toten Hasen. Im Vorjahr wurden in der Steiermark gut 8000 Fasane ausgesetzt – und 5972 abgeschossen. „Seit Jahren verfolge ich das Treiben mancher Jäger, die ich als ,Schießer’ bezeichne – denn mit Jagd hat das nichts zu tun“, kritisiert David Richter, Sprecher des Vereins gegen Tierfabriken. Vor allem das Aussetzen ist ihm ein Dorn im Auge: „Tausende Fasanen-Jungtiere werden jedes Jahr gekauft und in Aufzuchten mitten in den Wald gebracht.“ Später würden (auch) diese Tiere dann bei Treibjagden aufgescheucht und geschossen, manchmal nur wenige Meter vom Ort des Aussetzens entfernt. „Das ist laut Jagdgesetz verboten, trotzdem wird es gemacht“, so Richter.

"Der Fasan gerät in der heutigen Kulturlandschaft schwer unter Druck. Und abgeschossen werden ja nicht nur ausgewilderte, sondern mehrheitlich alt ansässige. Selbstverständlich will der Jäger aber auch ernten und den Fasan essen."

Franz Mayr-Melnhof-Saurau steht in der Steiermark 24.410 Waidmännern als Landesjägermeister vor.

Die Politik würde das Thema nicht anrühren. Und außerdem: „Was hat das mit dem Ehrenkodex der Jäger zu tun? Wenn man ihnen Tiere quasi vors Gewehr setzt?“ Zudem sei der Fasan kein heimisches Tier. „Er ist wegen seines schönen Federkleids aus Asien eingeführt worden. Künstlich ausgesetzte Tiere stören aber das natürliche Gleichgewicht und drängen die heimischen Rebhühner zurück.“ Daher sprechen die Jäger von „Bestandskontrolle“ durch die Treibjagd. Warum gerade sie nötig ist, die immer mit viel Lärm, Gebell, knallenden Schüssen und Ausnahmezustand für die Umgebung einhergeht? „Weil sich die Treibjagd auf einen abgegrenzten Zeitraum beschränkt und die Jagd damit nicht ständig stattfindet. Wenn der Jäger auf jedes einzelne Tier ansitzen müsste, würde das auch viel zu lange dauern“, erklärt Landesjägermeister Franz Mayr-Melnhof-Saurau.

„Unter einem fadenscheinigen Vorwand wird auf lebende Zielscheiben geschossen. Aus reiner Tötungslust. Außerdem gibt es das Problem der klar illegalen Aussetzungen von Tieren oft unmittelbar vor der Jagd. Die Politik tut nichts dagegen.“

David Richter, Sprecher des Vereins gegen Tierfabriken, beobachtet Jagden schon seit vielen Jahren.

Mayr-Melnhof-Saurau betont die Bedeutung der Jäger: „In den Auswilderungs-Biotopen bieten wir für viele Arten, die mit dem Lebensraumverlust kämpfen, optimale Bedingungen. Jungtiere werden auf das Leben in freier Natur vorbereitet, Schutzzäune halten Beutegreifer fern. Die Fasane erweitern Stück für Stück ihren Bewegungsradius, bis sie ihren Lebensraum dauerhaft besiedeln können.“

„Ja, auch der Jäger will ernten“
Aber warum muss man mehr als 8000 Fasane auswildern, um „den Bestand zu erhalten“, dann aber wiederum fast 6000 abschießen – statt schlicht die Bejagung einzugrenzen? Mayr-Melnhof-Saurau räumt offen ein: „Der Jäger bewirtschaftet den Lebensraum gemeinsam mit dem Landwirt. Und wie der Landwirt erntet der Jäger auch. Die Jäger wolle Fasane essen – und die Gastronomie verlangt sie ebenfalls.“

Christa Blümel, Kronen Zeitung

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