Mo, 17. Dezember 2018

„War dumme Geschichte“

04.12.2018 16:49

Messerstich nach Rempelei: Sieben Jahre Haft

Aus einer Rempelei wurde blutiger Ernst, als ein 36-Jähriger im Juli 2018 auf offener Straße ein Messer zückte und seinen Kontrahenten attackierte. Der Vorfall hatte am Dienstag in Wien für den Angreifer ein gerichtliches Nachspiel. Versuchten Mord - so die ursprüngliche Anklage - konnten die Geschworenen jedoch nicht erkennen. Der 36-Jährige wurde schlussendlich wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Attackiert hatte der Angeklagte einen 39-Jährigen, der am 23. Juli mit seiner Freundin durch die Neilreichgasse im Wiener Bezirk Favoriten spazierte. Dieser war unabsichtlich in den drei Jahre Jüngeren gerannt, entschuldigte sich danach mehrmals, was der 36-Jährige jedoch nicht akzeptierte.

„Geh sch***en, du Arschloch!“
Als das Pärchen weiterging, bemerkte die Frau, dass ihnen der Mann nachging und „sich warm machte“, wie die 30-Jährige im Zeugenstand berichtete. Ein Wort ergab daraufhin das andere, eine ordentliche Entschuldigung sei der 39-Jährige schuldig geblieben, wie der 36 Jahre alte Mann vor Gericht erklärte. „Er sagte: ,Geh sch***en, du Arschloch!‘“, so der Beschuldigte.

Daraufhin habe der Mann, der als Gärtner arbeitet, ein Klappmesser aus seiner Bauchtasche gezogen und damit herumgefuchtelt. „Ich wollte ihm Angst machen und ihn ein bisschen verletzen. Aber ich wollte ihn nicht töten“, gab der 36-Jährige an. „Sind Sie ein ausgebildeter Chirurg, dass Sie wissen, wo Sie hinstechen können?“, fragte der beisitzende Richter Andreas Böhm. „Wenn ich ihn hätte töten wollen, hätte ich mehrfach zugestochen“, meinte der Beschuldigte, gegen den eigentlich ein Waffenverbot bestand. „Sie haben mehrfach zugestochen“, meinte der Staatsanwalt. Laut Anklage viermal.

Videoaufzeichnung der Tat
Das Beweisverfahren dauerte nicht lange, da die Tat auf Video festgehalten wurde. So war der 39-Jährige bei dem Angriff zu Sturz gekommen, als er am Boden lag, stach der 36-Jährige zu. Der Messerstich ging in die Lunge, der 39-Jährige erlitt eine Einblutung ins Lungengewebe und Schnittwunden am linken Arm und der Hand sowie am rechten Unterarm - laut Gerichtsmediziner Christian Reiter Abwehr- und Deckungsverletzungen.

„Passt schon, war eine dumme Geschichte“
Ein Paketzusteller, der zufällig mit dem Auto vorbeifuhr, hielt an, stieg aus und trennte die beiden. Der Täter ließ das Messer fallen und ergriff danach die Flucht. Er wurde zwei Wochen später aufgrund von DNA-Spuren an seiner Arbeitsstelle festgenommen. Der Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus eingeliefert, eine fünfstündige Not-OP rettete ihm das Leben. Im Zeugenstand tat der Attackierte die Sache eher ab und nahm die Entschuldigung des Angeklagten an. „Passt schon. War eine dumme Geschichte“, sagte er.

Die Geschworenen verneinten mit 7:1 Stimmen die Anklage wegen versuchten Mordes, der 36-Jährige erhielt wegen absichtlicher schwerer Körperverletzung eine Haftstrafe von sieben Jahren. Dem Opfer wurde ein Schmerzensgeld von 3960 Euro zugesprochen. Erschwerend wurden vor allem die neun Vorstrafen des Beschuldigten - er war aufgrund seiner Drogensucht im Alter von 16 Jahren zum ersten Mal straffällig geworden, ließ sich in den vergangenen vier Jahren allerdings nichts mehr zuschulden kommen - sowie der Angriff ohne begreiflichen Anlass gewertet. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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