30.10.2018 12:28 |

Prozess-Auftakt

Schockgeständnis: Krankenpfleger gibt 100 Morde zu

Seit Dienstag wird die größte Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte verhandelt. Im Landgericht Oldenburg nahe Bremen steht ein früherer Krankenpfleger vor Gericht, der wegen 100-fachen Mordes an Patienten angeklagt ist. Der Prozess gegen den 41-Jährigen begann mit einer Schweigeminute für die Opfer. Der Beschuldigte zeigte sich zum Auftakt der Verhandlungen gleich geständig.

Auf die Frage des Gerichts, ob die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zuträfen, antwortete Niels Högel am Dienstag mit „Ja“. „Das, was zugegeben worden ist, so ist es auch“, so der 41-Jährige, der für sechs Taten bereits zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden war. Er habe seine Opfer aus niedrigen Beweggründen und heimtückisch getötet, hieß es bei der Anklageverlesung der Staatsanwaltschaft. Aus Langeweile und um seine Fähigkeiten bei der Reanimation zu demonstrieren habe er den Menschen Medikamente gespritzt - in dem Wissen, dass dies zum Tod führen kann.

Patienten in Kliniken zu Tode gespritzt
Högel soll die Patienten zwischen 2000 und 2005 mit verschiedenen Medikamenten an den Kliniken Oldenburg und Delmenhorst in Niedersachsen zu Tode gespritzt haben. 2005 hatte eine Krankenschwester den Pfleger im Klinikum Delmenhorst auf frischer Tat ertappt. Bis das ganze Ausmaß der Taten ans Licht kam, vergingen jedoch Jahre.

Kollegen schöpften Verdacht, schwiegen aber
In beiden Krankenhäusern schöpften Kollegen zwar Verdacht, schritten aber nicht ein. Und das, obwohl es nach Ansicht der Ermittler bereits konkrete Hinweise auf die Taten gab. Vier frühere Kollegen des 41-jährigen Högel am Klinikum Delmenhorst werden sich deshalb wegen Totschlags durch Unterlassen ebenfalls vor Gericht verantworten müssen, Ermittlungen gegen fünf ehemalige Klinikmitarbeiter aus Oldenburg laufen noch.

Größte Mordserie der Nachkriegsgeschichte
Bewahrheiten sich die Vorwürfe, könnte der Mann für die größte Mordserie in der deutschen Nachkriegsgeschichte verantwortlich sein. In zwei Verfahren stand Högel bereits vor Gericht. In dem neuen Prozess wollen 120 Nebenkläger erfahren, wie und warum ihre Verwandten sterben mussten.

Verhandlung wegen Zuschauerandrang in Halle verlegt
Wegen der vielen Zuschauer verlegte das Landgericht Oldenburg die Verhandlung in die Weser-Ems-Hallen (Bild oben). Bis Ende Mai sind 23 Prozesstage geplant. Zahlreiche Zeugen und Gutachter sollen aussagen.

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