Mo, 19. November 2018

Gewaltiger Ansturm

19.10.2018 06:30

Nach Legalisierung: Kanada geht das Marihuana aus

Nach der landesweiten Legalisierung von Marihuana in Kanada konnten Kiffer dort am Mittwoch erstmals rechtmäßig ein Päckchen der Droge kaufen. Die gewaltige Nachfrage führt nun aber schon zu Lieferengpässen. In den Provinzen Neufundland und Saskatchewan sowie im arktischen Territorium Nunavut wurde am Donnerstag von zu Ende gehenden Vorräten berichtet. Und am offiziellen Cannabis-Portal der Provinz Ontario werden Online-Kunden vor Wartezeiten von fünf Tagen gewarnt.

Lange Schlangen vor den Geschäften
Vor vielen Marihuana-Geschäften des Landes bildeten sich am zweiten Tag nach der Legalisierung weiterhin lange Schlangen. Unter den Wartenden vor einem Geschäft in Montreal war auch der 30-jährige Alexandre, der sich bereits am Mittwoch angestellt hatte - vergebens, denn nach sieben Stunden Wartezeit sei er abgewiesen worden, sagte er. Die Polizei löste schließlich die Menschenmenge auf, zu Zwischenfällen kam es dabei nicht.

In Kanadas bevölkerungsreichster Provinz Ontario wurden in den ersten Stunden nach der Legalisierung 38.000 Bestellungen im Wert von umgerechnet etwa 750.000 kanadischen Dollar (rund 500.000 Euro) entgegengenommen. Die Regierung der Provinz Quebec verzeichnete sogar 42.000 Bestellungen. Der Umfang gehe weit über die Erwartungen hinaus, hieß es.

Legalisierung schafft Tausende Jobs
Nicht nur Fans von Marihuana haben der vollständigen Legalisierung von Cannabis in Kanada entgegengefiebert: Auch die Wirtschaft ist gespannt auf das neue Milliardengeschäft. Marktbeobachter sehen Potenzial fürs „Pot“: Es ist die Rede von der Geburt eines ganz neuen Industriezweigs mit Tausenden Jobs, neuartigen Produkten, einer neuen Steuerquelle für die Regierung und einem Schub für den Tourismus.

Kommt bald Coca-Cola mit Cannabis?
Auch Pharmaunternehmen, Getränkehersteller und Kosmetikfirmen wollen ihr Kuchenstück und tüfteln an neuen Produkten. So investierte die Firma Constellation Brands, bekannt etwa für das Bier Corona, kürzlich für einen Unternehmensanteil von 38 Prozent fünf Milliarden kanadische Dollar (rund 3,3 Milliarden Euro) in den Cannabis-Anbieter Canopy Growth. Und der Getränkeriese Coca-Cola überlegt, seine Produkte mit Cannabinoiden zu versehen

Besitz von 30 Gramm erlaubt
Mit der Legalisierung von Marihuana löste Kanadas Premierminister Justin Trudeau ein Wahlversprechen ein. Nun ist es Personen ab 18 Jahren - in manchen Provinzen liegt die Altersgrenze bei 19 Jahren - erlaubt, per Bestellung oder in autorisierten Geschäften Cannabis zum Preis von umgerechnet rund vier Euro pro Gramm zu kaufen. Der persönliche Besitz ist auf 30 Gramm beschränkt. Zu medizinischen Zwecken ist Cannabis in Kanada bereits seit 2001 erlaubt.

Der Internationale Suchtstoffkontrollrat (INCB) mit Sitz in Wien kritisierte die Legalisierung als Rückschritt beim Versuch, Drogen zu kontrollieren und junge Menschen zu schützen. Die „Gesundheit und das Wohlergehen der Kanadier“ seien bedroht, so INCB-Präsident Viroj Sumyai.

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