Sa, 20. Oktober 2018

steirischer herbst:

20.09.2018 20:05

Eröffnung mit einem Stadtspaziergang

Unter den Augen hunderter Besucher und Passanten eröffnete Intendantin Ekaterina Degot am Donnerstag ihren ersten steirischen herbst auf dem Europaplatz vor dem Grazer Hauptbahnhof. Im Anschluss lud das Bread & Puppet Theater die Masse zu einer gemütlichen Prozession in Richtung Aufstand - und zum Mariahilferplatz, wo das Ganze mit eine Agape endete.

„Ich wollte, dass wir uns versammeln, wo Einheimische und Außenseiter, Österreicherinnen und Österreicher und Fremde durcheinanderströmen und allesamt einer Unbeständigkeit anheimfallen, die für so manche ein Dauerzustand ist“, erklärte Degot, warum sie den Bahnhofsvorplatz, der in so vielen europäischen Städten Europaplatz heißt, für ihre erste herbst-Eröffnung gewählt hatte.

Gemeinsam kritisch sein
Sie adressierte in der Eröffnungsrede bewusst nicht nur die geladenen Gäste, sondern auch die Passanten: „Man erzählt uns, dass es in den politischen Widersprüchen und Gegensätzen unserer Zeit um Kulturen, Religionen oder Rassen gehe. Das ist nicht wahr, und es hindert uns, gemeinsame Sache zu machen“, sagte sie und bot das Festival als Ort der kritische Debatte an.

Degot sieht in der Kunst - auch der unbequemen - ein Potenzial: „Mir ist auch klar, dass Kunst stören und manchmal unerfreulich sein kann. Aber genau so soll Kunst eigentlich sein. Sie sollte unsere Überzeugungen erschüttern und eine andere Sicht auf die Dinge unterbreiten. Sie sollte zerstörend Neues schaffen. Manchmal, wenn wir Glück haben, geht sie dabei so weit, dass unser Leben hinterher nicht mehr dasselbe ist.

Prozession durch Graz
„Graz, nun sag, wie hast du’s mit dem Aufstand?“ Mit dieser „Faust“-Paraphrase könnte man die anschließende Parade des Bread & Puppet Theaters umschreiben. Denn bei „The Underneath the Above Parade“ handelte es sich mehr um einen aufrührerischen Herbstspaziergang denn um ein theatrales Straßenspektakel.

Ein neuer Mensch ist möglich
Sich der Form einer Messe bedienend befragte die legendäre US-Truppe das Grazer Publikum nach ihrer Bereitschaft zum Aufstand: Es gab eine Hymne („Wir sind die Welt“), Lesungen aus dem Buch eines Flüchtlings und einer österreichischen Lehrerin und eine Predigt, bei der frei nach Musil ein „Möglichkeitsmensch“ heraufbeschworen wurde, ehe die „verrottete Idee des Tages“ zu Grabe getragen wurde.

Als Kirchenorchester begleitete das Masala Brass Kollektiv die Prozession mit einem Mix aus Balkan-Pop und 80er-Trash. Ein kommunikativer, sympathischer und doch auch politischer Start in die Ära Degot.

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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