Di, 11. Dezember 2018

Steirische Autorin:

21.09.2018 08:00

„Meine Begegnung mit Jack Unterweger“

Jahrelang war Autorin Andrea Wolfmayr in regem Kontakt mit dem Häfnpoeten und Massenmörder Jack Unterweger. Nach dessen Tod hat sie ihre Erinnerungen an diese Begegnung tief in ihrem Gedächtnis vergraben. In „Jack & ich - Das Böse in mir“ blickt sie nun noch einmal in diesen Abgrund. Das Buch wird heute in Graz präsentiert.

Im Herbst 2017 steht Andrea Wolfmayr in ihrer Garage vor einer Bananenschachtel. „Bin ich bereit in den Abgrund zu schauen?“, fragt sie sich. Gut 30 Jahre hat sie den Inhalt dieser Box und das Kapitel in ihrem Leben, für das er steht, verdrängt.

Briefkontakt mit dem Häfnpoeten
Sie öffnet die Box und liest: „Gleisdorf am 12. Dezember 1984. Lieber Jack Unterweger“ Es ist ihr erster Brief an jenen Mann, der zu dieser Zeit bereits als Häfnpoet gefeiert wurde. „Ich fand ihn interessant. Alle sahen in mir ein braves Mädchen - ihm zu schreiben war ein bisschen eine Rebellion“, erinnert sie sich heute.

Jack Unterweger antwortete ausführlich, las den Debütroman, den sie ihm mitgeschickt hatte. Es war der Beginn eines Briefverkehrs, den Wolfmayr nun in ihrem neuen Buch „Jack & ich - Das Böse in mir“ erstmals öffentlich macht.

Verdrängte Begegnung
„Ich wollte meiner Verdrängung dieser Begegnung auf die Spur kommen und herausfinden, warum mich Menschen mit psychischen Problemen mein Leben lang begleitet haben“, sagt die Steirerin.

Wie sehr sie die Begegnung verdrängt hatte, wird ihr bewusst, als sie ihrer Tochter vom Buch erzählt: „Der Jack war auch bei uns zu Hause“, erinnert sich diese an den eleganten Herren, der in einer Limousine mit adretter Begleitung vorfuhr. „Ich selbst habe keine Erinnerung an den Besuch“, sagt Wolfmayr.

„Nett, aber durchschnittlich“
An was sie sich erinnert, ist ein gemeinsamer Abend im Grazer Lokal „Scherbe“: „Sein Charisma auf Frauen hat bei mir nicht gewirkt. Ich fand ihn nett und willensstark, aber durchschnittlich.“ Sie brach den Kontakt ab.

Eine Scham, den scheinbar geläuterten Mann, der nach seiner Entlassung weiter mordete, so falsch eingeschätzt zu haben, blieb dennoch: „Damals sind viele Intellektuelle dem Glauben verfallen, dass man alles und jeden heilen kann. Heute wissen wir von Studien der Psychiatrie, dass derart bösartiger Narzissmus einfach nicht zu heilen ist.“

Und was hat es Wolfmayr selbst gebracht, für ihr Buch noch einmal in den Abgrund zu blicken? „Ich habe meinen Frieden mit diesem Teil meines Lebens gemacht“, sagt sie. Ihre Bananenschachtel ist jetzt ein Abgrund, in den wir alle blicken können.

Das Buch „Jack & ich - Das Böse in mir“ ist in der Edition Keiper erschienen. Infos zum Buch finden Sie hier

Christoph Hartner
Christoph Hartner

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