Mi, 17. Oktober 2018

FPÖ-Chef zu SPÖ-Drama

18.09.2018 19:13

Kern beschert Strache „bizarre Überraschung“

Der am Dienstagabend überraschend verkündete Rücktritt Christian Kerns von der Spitze der SPÖ hat für zahlreiche Reaktionen gesorgt: Vizekanzler Heinz-Christian Strache sieht in der Entscheidung von Kern, erst nach der Europawahl den Parteivorsitz abzugeben, einen Rücktritt auf Raten. „Ein EU-Spitzenkandidat Kern ist wahrlich eine bizarre Überraschung“, sagte der FPÖ-Obmann.

Nach 13 Jahren als FPÖ-Parteichef sieht Strache nun auch seine Wette gegen den „kürzest dienenden Bundeskanzler der Zweiten Republik“ gewonnen: „Nunmehr dürfte Kern auch der kürzest dienende SPÖ-Parteichef gewesen sein, wenn er nach der EU-Wahl - wie heute verlautbart - zurücktritt.“

Parteikollegen von Kerns Ankündigung überrascht
Auch seine Parteikollegen hat Kern mit seiner Ankündigung, als SPÖ-Bundesparteichef spätestens im nächsten Mai zurückzutreten, überrascht. Dies zeigte sich in einer Stellungnahme des burgenländischen Landeshauptmannes Hans Niessl (SPÖ) gegenüber dem ORF. Es wäre eine „große Überraschung“, wenn sich Kern zurückzieht, sagte dieser - noch ehe Kern seine Erklärung abgab.

Schließlich habe sich Kern in der Vorwoche von den Gremien als einziger Parteichef-Kandidat für den Parteitag am 6. Oktober nominieren lassen. Auf die Frage, ob Kern der Richtige als Bundesparteivorsitzender sei, zeigte sich Niessl zurückhaltend - und antwortete nur, dass es „große Zustimmung“ in den Gremien gegeben habe.

Schützenhöfer: „War wohl nur eine Frage der Zeit“
Anders der steirische ÖVP-Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer: „Man hat es ihm angesehen, es war wohl nur eine Frage der Zeit“, sagt er am Rande des Landtags in Graz. Es sei offenbar nicht Kerns Rolle gewesen, die Opposition zu führen, aber Kern sei auch unter seinem Wert geschlagen worden. Er habe als damaliger Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz ein gutes Gesprächsklima mit Kanzler Kern gehabt. Wie es nun weitergeht, sei „schwer zu sagen“, sagte der steirische ÖVP-Obmann. Leichter werde es aber nicht für die Bundesregierung, wenn sich die Opposition besser formiere.

Liste-Pilz-Klubobmann Bruno Rossmann erhofft sich indes eine schlagkräftigere Opposition durch den angekündigten Wechsel an der SPÖ-Spitze - gebe es bei der türkis-blauen Regierung doch genug zu tun. Die SPÖ habe sich unter Christian Kern als Opposition nicht schlagkräftig genug entwickelt, merkte Rossmann an. Er lobte aber, dass Kern standhaft die Koalition mit der FPÖ verweigert habe.

Kogler zollt Kern „großen Respekt“
Sein Bedauern über den angekündigten Abgang des SPÖ-Chefs drückte Grünen-Chef Werner Kogler Dienstag in einer Aussendung aus. „Österreich kommt ein aufrichtiger Politiker mit kompetentem Auftreten abhanden“, zollte er Kern „großen Respekt“. Dass er zurücktreten will, verheiße nichts Gutes, befürchtet Kogler einen Rechtsruck der SPÖ.

Die SPÖ-Delegationsleiterin im Europaparlament, Evelyn Regner, begrüßte Kerns angekündigten Schritt nach Brüssel. „Eine tolle Nachricht aus Wien - Christian Kern ist ein großer Europäer und steht für eine moderne Sozialdemokratie. Mit ihm hat die SPÖ einen starken Kandidaten“, sagte Regner. „Unser gemeinsames Ziel ist es, Europa nicht den Konzernen zu überlassen.“

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