"Jean Paul Marat:

Avantgarde-Versuch im Schauspielhaus

Saisoneröffnung im Linzer Schauspielhaus mit Peter Weiss’ „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“. Einst ein hochgelobtes Erfolgsstück, wirkt die Inszenierung von Katrin Plötner heute etwas schrill, sehr überdreht. Es ist in erster Linie ein Schau-Stück, dass sich reichlich der ortsgegebenen Narrenfreiheit bedient.  Da bleibt die Substanz auf der Strecke.

So stellte man sich wohl in den 60er Jahren, als „Marat/Sade“ uraufgeführt wurde, die Avantgarde vor. Heute wirkt das alles ein bisschen hysterisch und gleichermaßen verstaubt. Die Linzer Fassung bietet durchaus ein Schau-Vergnügen: der Bühne von Camilla Hägebarth und vor allem den Kostümen von Johanna Hlawica sei’s gedankt. Das zumindest: eine Augendweide (fast) ganz in weiß.

Revolutionsgeschichte
Der gesamt Titel „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade“ ist zugleich die Inhaltsangabe. De Sade, selbst Insasse des Hospizes, spielt mit seinen Mitpatienten ein Stück französische Revolutionsgeschichte nach. Die Figuren wirken allesamt wie Marionetten. Auch Lutz Zeidler als de Sade und Alexander Hetterle als Marat finden kaum zu eigenständigen Konturen. Alles hört sich an wie ein einziger gebrüllter, verbaler Wasserfall. Tempo scheint der Regisseurin das Gebot der Sprechstunde. Und sonst? Ein bisschen Melodrama, eine Prise Zirkus, eine kleine Nummernrevue. Anna Rieser kann als Marat-Mörderin Corday zeitweise die Dramatikschrauben ein bisschen anziehen. Katharina Hofmann und Markus Pendzialek führen als Ausrufer gekonnt verwirrt-verschroben durch das Theater im Theater. Zum Schluss holen sich alle freundlichen Applaus für gut zwei Stunden Arbeit ab. 

Milli Hornegger/Kronenzeitung

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