So, 23. September 2018

Legende im Interview

10.09.2018 07:10

Prosinecki: „Österreich hätte zur WM gehört“

Robert Prosinečki: als Spieler Weltklasse, als Trainer abseits der großen Bühne aktiv. Warum er Aserbaidschan verließ, um als Teamchef mit Bosnien bei der EM 2020 mit dabei zu sein, und warum er Respekt vor ÖFB-Team hat - das „Krone“-Interview.

Sie sagen, dass Sie Österreich gut kennen, auch vom 2:1 gegen Deutschland. Wie sind Ihre Eindrücke, ist Ihnen etwas Besonderes aufgefallen?
Österreich ist schon längere Zeit auf einem respektablen Niveau, schon bevor Franco Foda übernahm. In der WM-Qualifikation wurde Österreich unter Wert geschlagen und hätte eigentlich in Russland mit dabei sein müssen. Die aktuelle Mannschaft spielt diszipliniert, aggressiv, mit hohem Pressing und hat auch eine spielerisch hohe Qualität.

Welche Spieler schätzen sie am meisten?
Arnautović und Alaba. Die beiden können den Unterschied ausmachen.

Teilen Sie die Einschätzung, dass Österreich Favorit auf einen Sieg in Zenica und auf den ersten Gruppenplatz ist?
Teile ich nicht. Vielleicht glauben die Fans und Medien in Österreich, dass Österreich Favorit ist. Das sehen wir jedoch anders. Wir spielen zu Hause, und wir wollen gewinnen.

Was sind die Stärken und Schwächen Ihres Teams?
Bosnien und Herzegowina war schon immer spielerisch stark. Es gab immer Spielwitz, jedoch gab es Mängel in der Disziplin und im Abwehrverhalten. Diesbezüglich konnten wir uns in den acht Monaten meiner Amtszeit steigern. In sechs Testspielen haben wir nur zwei Gegentreffer erhalten. Ansonsten wollen wir alte Tugenden beibehalten. Wir wollen den Ball haben und versuchen zu dominieren.

Ihr Ziel ist die EURO 2020. Nun befindet sich Bosnien in einer Übergangsphase, es steht ein Generationswechsel bevor. Spahić und Misimović haben ihre Karrieren beendet. Ibišević, Lulić und Medunjanin sich vom Nationalteam verabschiedet - das macht Ihre Aufgabe nicht leichter.
Das ist kein Problem. Ein Generationswechsel ist normal. Dafür kommen neue Spieler nach, es gibt immer neue Talente. Da müssen wir uns keine Sorgen machen. Unser U21-Team ist Gruppenerster in der EM-Qualifikation. Wir haben Klassespieler wie Pjanić, Džeko und Kolašinac, können zuversichtlich sein, was die bevorstehenden Aufgaben betrifft, sowohl in der Nations League als auch in der EURO-Qualifikation.

Der 2:1-Sieg in Nordirland war ein gelungener Auftakt in der Nations League - waren Sie mit der Leistung Ihrer Mannschaft zufrieden?
Es war ein schweres Spiel, und wir wussten, dass es so sein wird. Nordirland ist daheim stark, hat dauernd Druck gemacht, vor allem in der ersten Halbzeit. Es ist uns nicht gelungen, ihnen unser Spiel aufzuzwingen, und es war sehr schwierig. Wir hatten zwei gute Aktionen, die Chance von Džeko und der Führungstreffer durch Duljević. Mit der Leistung in der zweiten Halbzeit bin ich mehr zufrieden; da sind wir besser auf dem Platz gestanden. In diesem Stadion wird es für jede Mannschaft schwierig sein zu punkten. Die Nordiren dominieren mit viel Laufarbeit und mit Kraft; deswegen sind sie ein sehr unangenehmer Gegner. Trotzdem, ich gratuliere meinen Spielern, denn am Ende sind die drei Punkte das Wichtigste.

Gegen Österreich wird so eine Leistung wie in Belfast (Ballbesitz 68:32 Prozent für Nordirland, Eckbälle 18:1, Torschüsse 25:5) wohl kaum genügen.
Wir werden versuchen, einige Dinge zu korrigieren. Wir haben Probleme mit unseren Verteidigern, das ist das größte Handicap. Ćivić war nicht voll fit, er hat nicht trainiert, und wir werden sehen, welche Lösung wir finden werden für das Match gegen Österreich. Dies war nicht unsere beste Leistung, aber ich bin sicher, dass wir besser spielen können.

Vladimir Novak, Kronen Zeitung

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