Mo, 24. September 2018

Übergriff in Imst

07.09.2018 06:54

Prozess: „Dealer-Bubis“ verprügelten Kunden

„Abziehen“ nennen es Jugendliche, wenn sie einem Kontrahenten das Geld oder Wertsachen wegnehmen - notfalls mit Gewalt. Im März kam es in Imst zu einem derartigen Übergriff, gleich drei türkischstämmige Burschen fielen über einen Einheimischen (23) her. Nun gab’s dafür die Quittung am Innsbrucker Landesgericht.

Hinter dem Vorfall stand eigentlich ein kleines Drogengeschäft: Der einheimische Kunde (23) wollte vom Erstangeklagten (20) für 90 Euro Haschisch kaufen. Der Verkäufer erschien mit zwei mitangeklagten Kumpanen (beide erst 16 Jahre alt) im Schlepptau beim Bahnhof. Als der 23-Jährige das Geld in die Hand nahm, griff der Hauptangeklagte schnell zu und versetzte dem Kunden fast im selben Atemzug einen Stoß, so dass dieser am Boden landete. Das Opfer rappelte sich wieder auf - auch nachdem es nach weiteren Schlägen und Tritten wiederholt gestürzt war.

Kumpane beteiligte sich mit Fußtritten
Vor Gericht gab einer der beiden Kumpanen zu, sich mit „zwei oder drei Fußtritten“ ebenfalls an der Attacke beteiligt zu haben. Der andere wollte nur zugesehen haben, das glaubte das Gericht aber nicht. Der arbeitslose und zweifach vorbestrafte Erstangeklagte schwächte die Gewaltanwendung ab: „Als er am Boden lag, haben wir ihn nicht geschlagen.“ Als das Opfer - es kam mit Abschürfungen davon - nachher wiederholt sein Geld oder die Drogen zurückforderte und dem Haupttäter nachging, zückte dieser ein Messer und drohte sinngemäß mit dem Abstechen. Aber auch der Kunde saß als Mitangeklagter vor dem Schöffensenat. Grund: Er hatte - wegen des Drogengeschäfts - einen Freund schützen wollen und nicht zugegeben, dass auch dieser am Tatort war.

Bedingte Haft und Geldstrafen
Urteile: Der 20-Jährige bekam zwölf Monate bedingte Haft und 1840 Euro Geldstrafe. Seine Komplizen müssen 540 bzw. 360 Euro zahlen. Das Gewaltopfer büßt für falsche Beweisaussage und die versuchte Begünstigung, es setzte 1440 Euro Geldstrafe. Die Angeklagten nahmen dies sofort an.

Andreas Moser
Andreas Moser

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