Di, 18. Dezember 2018

Sturzflut in Salzburg

24.08.2018 16:36

„Wir sind mit zwei blauen Augen davongekommen“

Keine Verletzten, keine Vermissten! Das ließ alle im Glemmtal in Salzburg am Freitag ein wenig aufatmen. Nach dem heftigen Unwetter am Donnerstag, den Murenabgängen und der Sturzflut in Saalbach-Hinterglemm sind zig Helfer mit dem Aufräumen beschäftigt. Die Straße zum Talschluss konnte kurzzeitig freigegeben werden.

„Wir sind mit zwei blauen Augen davon gekommen“, sagte Bürgermeister Alois Hasenauer am Freitag. Wäre in den vergangenen Jahrzehnten nicht so viel Geld in den Ausbau des Hochwasserschutzes gesteckt worden, es wäre wohl alles noch viel schlimmer gekommen. Gegen 18 Uhr zog das Unwetter in das Glemmtal hinein. Bald gab es die erste Meldung einer Mure in Viehhofen. Wenig später lösten sich bei der Zwölfer Nordbahn in Hinterglemm Tausende Kubikmeter Geröll und verlegten die Straße. Eine Sturzflut bildete sich, diese bahnte sich ihren Weg durch die Straßen. Der Zivilschutzalarm wurde gegen 19 Uhr ausgelöst, um alle zu warnen, denn man befürchtete, dass die Welle bis nach Maishofen weiterschwappt.

„Wir konnten nur die Bevölkerung und uns selbst schützen“
Zwei Stunden lang waren die Feuerwehrleute quasi machtlos. „Wir konnten nur die Bevölkerung und uns selbst schützen“, sagte Abschnittskommandant Franz Eder. Gegen 21 Uhr war das Wasser so weit zurückgegangen, dass die Aufräumarbeiten starteten. Rund 300 Feuerwehrleute waren in der Nacht im Einsatz, etwa 200 von acht Gemeinden arbeiteten ab Freitagfrüh unermüdlich weiter.

„Wir hatten beim Eingang den Hochwasserschutz aufgebaut, der Schlamm kam aber über die Rückseite ins Lager“, berichtet Michaela Wilhelmstätter, Mitarbeiterin bei Elektro Tech in Hinterglemm. Sepp Mitterer von der Wiesermühle, die sich gleich neben der Saalach befindet, erzählt: „Als wir gesehen haben, dass der Bach höher wird, haben wir alle Autos in Sicherheit gebracht.“ Die Gäste, die in seinen Appartements nächtigen, boten ihm sofort ihre Hilfe beim Aufräumen an. „Es kamen auch viele Anrufe, viele wollten uns unterstützen, das ist schon sehr nett“, freute sich Mitterer.

Swimmingpool mit Geröll statt Wasser
Welche Gewalten wirkten, zeigte sich auch beim Hotel Marten. Denn, wenn Juliane Feiersinger jetzt zu ihrem Pool will, steht sie auch einem riesigen Geröllhaufen. Das Becken ist bis obenhin mit Schlamm und Steinen gefüllt, nur noch der Handlauf des Einstiegs lugt heraus. Eine massive Mure war einfach über den Swimmingpool hinweggerollt.

Mit Hochdruck wurde am Freitag auch daran gearbeitet, dass die L111 zwischen Hinterglemm und dem Talschluss wieder befahrbar wird. An einem Teilstück wurde die Fahrbahn massiv unterspült, an einer anderen Stelle wurden Teile der Straße gar komplett weggerissen. 25 schwere Maschinen waren im Einsatz, um erst einmal alles freizuräumen. „Mit Lkw wird das Material zu zwei Deponien gebracht“, schildert Gebhard Neumayr von der Wildbach- und Lawinenverbauung.

Zwischen 15 Uhr und 15.30 Uhr konnten dann jene rund 250 Einheimische und Urlauber, die seit Donnerstagabend im Talschluss festsaßen, ausfahren. Zwischen 19 Uhr und 19.30 Uhr gibt es die Möglichkeit, wieder zurückzufahren. Solche Zeitfenster sollen auch am Samstag noch einmal geschaffen werden.

Freie Fahrt noch weit entfernt
Von freier Fahrt ist man aber noch weit entfernt: „Es wird wohl noch zwei Wochen dauern, bis alles wieder einwandfrei ist. Auch die Brücken müssen auf Schäden hin kontrolliert werden“, sagt Landesrat Stefan Schnöll. Der Politiker machte sich selbst ein Bild von den Ausmaßen und den Aufräumarbeiten. „Das Wichtigste ist, dass es keine Vermissten und keine Verletzten gibt und die Versorgung sichergestellt ist. Das Zusammenwirken funktioniert hier top“, bemerkte er.

Iris Wind, Kronen Zeitung

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