So, 19. August 2018

„Hatte keine Angst“

28.06.2018 05:58

Grazerin spielte während Gehirn-OP Querflöte

Mozart, Bach und ein russischer Komponist, „das musste natürlich auch sein“, schmunzelt die aus Russland stammende Wahl-Grazerin Sofia Pinaeva. Sie hatte einen Gehirntumor, den man in der darauf spezialisierten Uni-Klinik zum Großteil entfernt hat - im wachen Zustand! „Angst hatte ich zu keiner Zeit“, sagt sie.

Dass der Gehirntumor bei der heute 28-Jährigen Ende 2015 überhaupt entdeckt worden war, war ein reiner Zufall. Beim Radfahren war sie bewusstlos geworden und gestürzt, darauffolgende Untersuchungen brachten schließlich die Diagnose. Die junge Frau nahm sie an und sagt: „Es ist mir auch wichtig, den Menschen zu sagen, dass das kein Todesurteil ist!“

Nach einer abgebrochenen Chemotherapie entschied sie sich für die Wach-OP: „Ich fand die Methode sogar spannend, hatte vollstes Vertrauen in den Eingriff und in die Ärzte. Mein ganzes Umfeld war viel nervöser als ich.“

Wachoperation, um Gehirn zu schonen
Kein Wunder - es war ein Eingriff am Gehirn, bei vollem Bewusstsein! Das muss man erst einmal wegstecken. Es gibt auch öfter Betroffene, die das strikt ablehnen, räumt die Uni-Klinik freimütig ein. Der Vorteil sei aber, dass man sofort aus Reaktionen des Patienten darauf schließen könne, ob ein wichtiges Funktionszentrum des Gehirns gestört wird.

„Methode wird individuell angepasst“
„Unsere Patienten werden perfekt darauf vorbereitet“, so der Leiter des Wach-OP-Teams, Gord von Campe. „Die Methode wird sogar individuell angepasst. Wir zeigen zumeist Bilder von Dingen, die erkannt und benannt werden müssen, hatten aber auch schon jemanden, dessen Passion Dinosaurier sind und der diese erkennen musste. Ein Rechenbegeisterter hat mathematische Aufgaben gelöst.“

„Die kleine Nachtmusik“ und Co.
Bach und Mozart, auf hohem Niveau noch dazu, das gab es allerdings noch nie. Dass die Musikerin und Fotografin beiden Leidenschaften und beruflichen Anforderungen nach dem Eingriff nachgehen kann, war Ziel. „Und das ist auch gelungen“, so die 28-Jährige, die heute, ein Jahr nach dem Eingriff, als Flötenlehrerin arbeitet.

Beängstigend: Gehirntumore betreffen heutzutage laut den Experten vielfach junge Menschen. Ob das mit Handys zu tun hat? „Es gibt zumindest keine Studie, die das beweist“, so Dr. von Campe.

Christa Blümel, Kronen Zeitung

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