Leidenschaft, Tod und Drama passen ideal in die wildromantischen Schloßberg-Kasematten: Mit Astor Piazzollas „María de Buenos Aires“ bestreitet die Grazer Oper dort ihr Saisonfinale. Dass das Ganze doch nicht richtig zünden will, liegt auch an der etwas behäbigen Regie Rainer Vierlingers.
Piazzolla und sein Librettist Horacio Ferrer haben mit „María de Bueons Aires“ eine „Tango Operita“ geschaffen, die die Lebens- und vor allem Leidensgeschichte einer Frau erzählt, und dabei den Boden der Realität verlässt. Es ist gleichsam eine immer wiederkehrende Allegorie, die das Bild der Frau entweder als Heilige oder als Hure zeichnet, Zwischentöne gibt es da nicht. Dass auch Regisseur Rainer Vierlinger sie nicht findet, ist einer der Schwachpunkte des Abends. Er verlegt sich in den 17 Szenen auf aneinandergereihte Bilder, die zwischen Folklore, Religion und Sittenlosigkeit pendeln. Dabei bleibt vieles schablonenhaft. Etwas plakativ dazu auch die Ausstattung von Vibeke Andersen, mit dem zentralen pochenden Herzen.
Leidenschaftliche Maria als Erlebnis
Was den Abend aber zu einem Erlebnis macht, ist Anna Brull als leidenschaftliche und gebrochene María. Mit ihrem Lied „Yo soy María!“ erntet sie gleich zweimal verdienten Szenenapplaus. Zur Seite stehen ihr Ivan Oreščanin, der sich als ausgezeichneter Tangosänger entpuppt, als Jugendliebe Gorrion und Ciro Gael Miró als Erzähler „El Duende“, der mit viel Leidenschaft auf spanisch durch die komplexe Geschichte führt. Dass man den Inhalt so freilich noch etwas weniger gut versteht, liegt auf der Hand.
Gelungen sind auch die vielen Tangoeinlagen in der Choreografie von Cornelia Leban-Ibrakovic und Adi Lozancic, der auch selbst auf der Bühne mitwirkt. Der von Bernhard Schneider einstudierte Chor leistet ebenfalls hervorragende Arbeit.
Souveräne Philharmoniker
Musikalisch lässt der Abend keine Wünsche offen. Marcus Merkel führt die Grazer Philharmoniker souverän durch die südamerikanischen Rhythmen, meistert Tango, Milonga und auch Walzer mit so viel Emotionen wie Schwung. Unterstützung gibt es von Martin Veszelovicz am Bandoneon und Hanspeter Capun an der Gitarre.
Ein Abend mit viel Potenzial, das sich in den kommenden Tagen noch entfalten kann - ob der Unwetter sind nämlich einige Proben ins Wasser gefallen! Infos und Restkarten gibt es hier
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