Fr, 17. August 2018

Katias Kolumne

16.05.2018 11:55

Kicker posen mit Sultan: Erdogan 1, Integration 0

Wenn Fußballer Werbung machen, tun sie das zumeist für Sportartikel- oder Autohersteller. Dass ein Fußballer für einen Politiker die Werbetrommel rührt, passiert nicht besonders häufig. Absoluten Seltenheitswert hat es hingegen, wenn Fußballer des deutschen Nationalteams für den umstrittenen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan posieren. So geschehen dieser Tage in London.

Ausgerechnet kurz vor der Fußballweltmeisterschaft in Moskau gerieten die deutschen Nationalspieler Mesut Özil und Ilkay Gündogan wegen dieser Fotos in mediale Kritik. Darauf sind beide zu sehen, wie sie strahlend mit dem aktuell wahlkämpfenden Erdogan posieren und ihm stolz Trikots der jeweiligen Vereinsmannschaft überreichen. Die Hinterseite seines Geschenks hatte Gündogan mit der handgeschriebenen Widmung „Mit Respekt für meinen Präsidenten“ versehen. Wahlkampfwirksam wurden die Fotos anschließend unter anderem von Erdogans Partei AKP veröffentlicht.

Seither hagelt es Kritik von allen Seiten. Und die Kritik ist durchaus berechtigt: Özil und Gündogan sind beide in Gelsenkirchen geboren, haben beide deutsche Schulen besucht und in Deutschland Fußball spielen gelernt. Beide liefen für deutsche Vereine aufs Feld, beide spielen für das deutsche Nationalteam. Sie sind Nutznießer eines liberalen Systems, das ihnen ihre steile Karriere ermöglichte.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte
Dass die Integrationsvorbilder Gündogan und Özil - Letztgenannter gewann sogar einen Bambi für Integration - sich von jenem türkischen Staatschef, der das freie, demokratische, libertäre System ablehnt und die Türkei systematisch von Europa und der EU wegführt, für plakative Wahlwerbung einspannen lassen, sollte der deutschen Kanzlerin Angela Merkel und ihrer Integrationspolitik zu denken geben. Wenn ein in Deutschland geborener Repräsentant seines Landes Recep Tayyip Erdogan als „seinen Präsidenten“ bezeichnet, ist gewaltig etwas schiefgelaufen.

Die deutsche Nationalelf gleicht mit ihrer Vielfalt an Persönlichkeiten einem Abbild der Gesellschaft. Das Team setzt sich nicht nur aus Müllers, sondern eben auch aus Özils und Gündogans zusammen. Wenn es aber innerhalb des deutschen Nationalteams schon nicht gelingt, sich zweifelsfrei zu Deutschland und seinen Werten zu bekennen, so wird es in der Welt außerhalb des geschützten Teamgefüges umso weniger funktionieren.

Schweres Foul und späte Einsicht
Nach der deutlichen Kritik des Deutschen Fußballverbands und von Kanzlerin Merkel versuchten Özil und Gündogan zu beschwichtigen: „Fußball ist unser Leben und nicht die Politik.“ Eine Einsicht, die besser vor dem Treffen mit dem türkischen Politiker Erdogan hätte passieren müssen, um glaubwürdig zu sein.

So ist im Gegensatz zu den beiden der ebenfalls türkischstämmige Fußballer-Kollege Emre Can der Einladung von Erdogan zum Händeschütteln erst gar nicht gefolgt. Es geht also auch anders.

 krone.at
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