UNO-Kriegstribunal
Karadzic auch am Dienstag nicht zu Prozess erschienen
Sollte der Angeklagte auch Anfang nächster Woche, wenn die Ankläger die Verlesung der Anklage beenden sollen, nicht vor dem UNO-Tribunal erscheinen, werde der Senat über die Bestellung eines Pflichtverteidigers für Karadzic entscheiden, kündigte der Senatsvorsitzende, Richter O-Gon Kwon, zu Beginn des zweiten Verhandlungstages an.
Der Richtersenat könnte nach Angaben des Senatsvorsitzenden die Abwesenheit Karadzic' als Entscheidung deuten, auf das Recht, im Gerichtssaal anwesend zu sein, verzichtet zu haben. Karadzic müsse die Folgen akzeptieren, welche sich aus seinem Vorgehen ergeben, unterstrich O-Gon Kwon. Karadzic hatte seine Boykotthaltung mit mangelnder Zeit argumentiert, seine Verteidigung vorzubereiten.
Angeklagter will mehr Vorbereitungszeit
"Er wünscht, dass man ihm ein faires Verfahren sichert, indem man ihm weitere zehn Monate für die Vorbereitung der Verteidigung gewährt", hatte sich Karadzic' Rechtsberater Goran Petronijevic etwa am Montag gegenüber der serbischen Nachrichtenagentur Tanjug geäußert.
Karadzic beharrt darauf, sich selbst zu verteidigen. Zur Seite steht ihm dabei ein internationales Team von Anwälten. Die Vorwürfe gegen Karadzic sind laut Petronijevic auf 1,1 Millionen Seiten festgehalten. Dazu gibt es 45.000 Beweise und mehr als Tausend Stunden Audio- und Bildaufnahmen. Ein Pflichtverteidiger würde mindestens zwei Jahre brauchen, um sich auf den Prozess vorzubereiten, erklärte Petronijevic.
Karadzic droht lebenslange Haft
Der ehemalige Präsident der bosnisch-serbischen Republik muss sich wegen Völkermordes, Verschwörung zum Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Bei einer Verurteilung droht Karadzic lebenslange Haft.
Die Anklage bezieht sich in elf Punkten auf einige der grausamsten Kapitel des Bosnien-Krieges (1992-1995), unter anderem auf das Massaker an rund 7.000 muslimischen Einwohnern von Srebrenica im Sommer 1995 und der 44 Monate anhaltende Angriff auf die Hauptstadt Sarajevo.
Karadzic habe die Verbrechen zusammen mit anderen Mitbeteiligten - zu welchen sowohl der frühere serbische Präsident Slobodan Milosevic wie auch der weiterhin flüchtige bosnisch-serbische Ex-Militärchef Ratko Mladic gehören - mit dem Ziel begangen, die bosnischen Muslime und Kroaten zu vertreiben.
Insgesamt 161 Personen angeklagt
Vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal wurden insgesamt 161 Personen angeklagt. Verfahren gegen 120 Personen wurden bisher abgeschlossen, gegen weitere 41 sind sie noch im Gange. Auf einen Prozessbeginn wartet derzeit der ehemalige bosnisch-serbische Geheimdienstchef Zdravko Tolimir. Zwei Angeklagte - neben Mladic noch der frühere Chef der kroatischen Serben Goran Hadzic - sind flüchtig.











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